Chauvinismus bei der darts-wm

STANDPUNKT: Vom Duell Mann gegen Frau

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Von drd

So, 23. Dezember 2018

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Es gibt diesen Song der britischen Popband The Cure, in dem sich der Sänger Robert Smith eingestehen muss, dass er es sich bei einer Frau versaut hat.
Zu viele dumme Dinge habe er gesagt, zu unsensibel war er, bilanziert er darin selbstkritisch. Er würde sich ja entschuldigen, auf die Knie gehen, aber dieses Mal ist es zu spät. Die Sache ist gelaufen, die Frau ist weg.

Beim Sender Sport 1 , der derzeit wie jedes Jahr in den letzten Dezembertagen die Darts-WM überträgt, gibt es den Experten Gordon Shumway am Mikrofon. Beziehungsweise: Es gab ihn dort. Die Sache ist gelaufen, der Experten-Job ist weg, Sport 1 hat ihn entlassen. Zu viele chauvinistische bis sexistische Dinge hat er gesagt, als er beim Duell zwischen der Russin Anastasia Dobromyslova und Ryan Joyce an der erstmaligen Teilnahme von Frauen beim Turnier in London herummoserte: "Ich bin kein Freund von diesem Zirkus. Ich weiß nicht, was das soll, zwei Damen bei einem professionellen Darts-Turnier mit aufzunehmen. Warum nur zwei? Ich finde es keine gute Idee. Wenn man den Damen eine Plattform geben möchte, dann kann man das anderweitig tun und ihnen eine eigene Turnierserie geben." Und: "Wir wissen ja, Dart ist ein mentales Spiel. Und Männer werden wahrscheinlich immer ein Problem haben, gegen Frauen zu spielen." Die Kumpels würden einen schon vier Wochen vorher auslachen, wenn man(n) gegen eine Frau antreten muss. Auf die Frage, ob es für die Russin gegen den favorisierten Engländer ein Mittel zum Sieg gebe, antworte Shumway mit: "Vielleicht die Klamottenwahl", höhöhö. Und dann noch die besonders tiefe Analyse: "Bei Bayern München spielt auch keine Frau im Team." Im Netz hagelte es Kritik während dieses machohaften Schwadronierens. Nach einer Werbepause versuchte sich der ehemalige Darts-Spieler dann an einer Entschuldigung "bei den Mädels und Damen im Dartssport". Er habe "überhaupt nichts gegen Frauen im Darts oder bei dieser WM", das klang natürlich nach aufrichtiger Selbstreflexion. Dass es Shumway nun verwehrt wird, weiter zu kommentieren, darf als konsequentes Signal gegen offen vorgetragenen Sexismus gesehen werden im Jahr, in dem der Fußballkommentatorin Claudia Neumann bei der WM der Hass entgegengeschlagen ist.

Im Song von The Cure, dem Welthit aus dem Jahr 1984, geht es im Refrain darum, dass der Verlassene die Tränen versteckt. "Boys Don’t Cry" heißt der Song, Jungs heulen nicht. Es sei denn, eine Frau taucht in einer sportlichen Männerdomäne auf.