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24. März 2015

Tagesspiegel

Tsipras in Berlin: Abtasten unter Zeitdruck

War da was? Wer die Pressekonferenz der deutschen Kanzlerin und des griechischen Ministerpräsidenten verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen, dass da zwei konstruktiv und vertrauensvoll um den Verbleib der Griechen im Euroraum ringen.

Gewiss, da gibt es noch ein paar Differenzen. Das wolle man nicht bestreiten. Aber die seien überwindbar. Dass sich Griechen und Deutsche zuvor übel beschimpft hatten, kein Stereotyp zu abgedroschen war, um den anderen abzuqualifizieren, Gott sei’s geklagt, aber damit müsse nun wirklich Schluss sein. Die Griechen seien keine Faulenzer und die Deutschen nicht an deren Problemen schuld. Klar brauche das überschuldete Land Reformen, aber man benötige auch Hilfe. Gut gebrüllt, Löwe! Doch war das Einsicht oder bloß die Fortsetzung der nervenden Aufführung des Stücks "Guter Bulle, böser Bulle"? Substanzielle Fortschritte in den Streitfragen waren jedenfalls nicht zu erkennen. Wie auch? Damit hätte man die EU und die Europartner vor den Kopf gestoßen. Dort hat jedes Land schließlich nur eine Stimme. Deutsche Alleingänge führen da schnell zu Verstimmungen. Doch bei aller Skepsis: Je intensiver Angela Merkel, Alexis Tsipras und ihre Kabinette miteinander ins Gespräch kommen, desto wahrscheinlicher werden konstruktive Lösungen. Dumm nur, dass die Zeit drängt, viel davon schon nutzlos verplempert wurde und dass Feindbilder bequemer sind, als die Einsicht, selbst verantwortlich und damit auch gefordert zu sein.

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Autor: Thomas Hauser