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03. Februar 2015

Tagesspiegel

Griechenland und die EU: Die Kunst des Pokers

Die neue griechische Regierung, die EU-Kommission und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble üben sich aktuell in der Kunst des intelligenten Herumeierns.

In der Diplomatie entspricht die öffentliche Geste nicht immer dem Verhalten im vertraulichen Gespräch. Harte Worte und Drohkulissen dienen dazu, den am Ende nötigen Kompromiss in eigener Sache möglichst vorteilhaft zu gestalten. Wer überzieht, riskiert freilich, dass die Dinge außer Kontrolle geraten. In diesem Sinne üben sich derzeit sowohl die neue griechische Regierung als auch die EU-Kommission und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Kunst des intelligenten Herumeierns. Ministerpräsident Tsipras macht auf seiner Vorstellungstour erst einmal einen großen Bogen um Berlin, wirft die Troika raus, liebäugelt mit Moskau, um zugleich vor den Folgen eines Austritts der Griechen aus dem Euro zu warnen und um ein Entgegenkommen der EU-Partner zu buhlen. Die Aktien der griechischen Banken rauschen derweil in den Keller, ihre Anleihen sind nur noch mit astronomischen Zinsen verkäuflich. Kommissionspräsident Juncker denkt über eine Alternative zur Troika nach und Schäuble beharrt auf diesen Kontrolleuren, solange es keine bessere Alternative gebe. Vor allem aber will keiner Schuld sein, sollte der diplomatische Poker scheitern. Die schlichte Wahrheit ist freilich: Beide Seiten sind letztlich aufeinander angewiesen. Die Griechen sogar ein bisschen mehr auf Europa als umgekehrt. Zu fürchten ist freilich, dass die Lage sich erst zuspitzen muss, bevor der Konflikt in letzter Minute gelöst werden kann. Billiger wird es dadurch gewiss nicht.

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Autor: Thomas Hauser