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24. Februar 2015

Tagesspiegel

Drohungen mit Masern-Impfpflicht bringen nichts

Die Masern, keine Frage, sind eine schwere Krankheit. Sie kann tödlich sein, wie der tragische Fall des Berliner Kleinkinds zeigt. Trotzdem ist es verkehrt, wie Gesundheitsminister Gröhe reagiert.

Manche Impfgegner betrieben "irrationale Angstmacherei" und handelten verantwortungslos. Selbst mit einer Impfpflicht droht der CDU-Politiker für den Fall, dass die Impfquoten nicht steigen sollten. Damit erreicht er nur, dass sich die Debatte verhärtet – und zwar auf Seiten der Befürworter wie der Skeptiker. Nötig ist aber das Gegenteil, also eine ruhige, sachliche Abwägung des Für und Wider, der Chancen und Risiken von Immunisierungen. Auf diese Weise – ohne irgendwelche Minister-Drohungen – ist es schon gelungen, die Zahl der vor Masern Geimpften massiv zu erhöhen. Gewiss: Die Impfquote von 95 Prozent, die einen möglichst großen Schutz böte, verfehlt Deutschland bei den Erstklässlern um drei Prozentpunkte. Und gerade im Südwesten ist die Quote bei Kindern niedriger als in anderen Bundesländern. Das zeigt aber nur, dass weitere Aufklärung nötig ist. In vielen Kitas und Kinderkrippen ist es längst üblich, dass die Eltern untereinander besprechen und entscheiden, ob jedes Kind die Masernimpfung haben soll. Die Bürger sind also sehr wohl in der Lage, verantwortungsbewusst zu handeln. Darin sollte Gröhe sie bestärken, statt kontraproduktiv über die Impfpflicht zu raunen.

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Autor: Bernhard Walker