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27. Januar 2010

Bundeswehr in Afghanistan

Tagesspiegel: Eine Strategie als Blendwerk

Das also soll die Wende sein: Mehr Soldaten, mehr Polizisten, mehr Entwicklungshilfe und ein Aussteigerprogramm, als handele es sich bei den Taliban um verwirrte Bürgersöhnchen, die man mit Geld und guten Worten vom Terrorismus abzubringen hofft. In Wahrheit entspringt die vermeintlich neue Afghanistan-Strategie der Bundesregierung hilfloser Verzagtheit. Man will fort vom Hindukusch, weil die Mehrheit der Wähler zu Hause sich längst von diesem Einsatz verabschiedet hat, aber man will bei den Verbündeten nicht verantwortungslos dastehen. Also strengt sich die Kanzlerin an, übertreffen sich Außen- und Verteidigungsminister in rhetorischen Salti. Mehr Soldaten sollen defensiv agieren – als ob die Bundeswehr bisher offensiv gegen die Aufständischen vorgegangen wäre! Tatsächlich hat die Bundeswehr das kaum jemals getan, und als es im Herbst ein Oberst versuchte, ging es prompt schief. Nicht nur bei den Amerikanern gilt die Bundeswehr deshalb als unzuverlässige Truppe. Die soll künftig vor allem Wiederaufbau betreiben. Hat Angela Merkel vergessen, dass es eben dazu eines sicheren Umfeldes bedarf? Weil die Bundeswehr jahrelang zu passiv agierte und zu wenig Sicherheit schuf, verliefen ihre zivilen Ansätze im Sand. Soll das jetzt alles besser werden? Nein, damit rechnet wohl niemand. Die Strategie ist Blendwerk. Man will Zeit gewinnen, möglichst bis zum Abzug. Ob damit Afghanistan und der internationalen Sicherheit geholfen sein wird oder nicht.

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Autor: Thomas Fricker