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07. September 2009

Afghanistan

Die Bundeswehr in Kundus braucht eine neue Strategie

Mit seiner Haltung zu dem von der Bundeswehr angeordneten Luftschlag bei Kundus torpediert Verteidigungsminister Jung den Versuch, die Sympathien der afghanischen Bevölkerung zurückzugewinnen. Doch die Bundeswehr darf sich nicht länger isolieren.

Verteidigungsminister Jung mag juristische und politische Gründe für seine Behauptung haben, die Bombardierung der Tanklastwagen habe nur Talibankämpfer getötet. Damit torpediert er aber die neue Strategie von US-General McChrystal, der nach acht Jahren Krieg die Sympathien der afghanischen Bevölkerung zurückgewinnen will, indem er mehr Verständnis für ihre Nöte und Ängste zeigt. Auch deshalb versprach er nach dem Blutbad von Kundus transparente Aufklärung. Angesichts der dünnen Faktenlage ist es aber noch zu früh für Schuldzuweisungen, wie sie jetzt so mancher europäischer Partner macht. Nur so viel ist klar: Im Norden Afghanistans, der früher als relativ ruhig galt, sieht sich die Bundeswehr heute in der Defensive gegenüber den dreister werdenden Taliban. Denn die Soldaten sind in Kundus in zu kleiner Truppenstärke vertreten und deshalb überfordert. Das kann leicht zu Überreaktionen führen. Zudem haben sich die Soldaten unter dem Druck der Bundesregierung zu sehr um die eigene Sicherheit gekümmert und sind isoliert. Das muss sich ändern. Dazu gehört, dass die Deutschen mit dem jüngsten Ereignis offensiv umgehen – und den Afghanen zu verstehen geben, dass sie alles tun werden, es aufzuklären. Nur wenn es gelingt, die Bevölkerung nicht gegen sich aufzubringen, hat die Bundeswehr eine Chance, den Kampf wirkungsvoll fortzuführen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Afghanen mit den Extremisten solidarisieren.

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Autor: Willi Germund