Überteuertes Erdgas

Tagesspiegel: Es fehlt Druck auf dem Kessel

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Mo, 28. Dezember 2015 um 18:51 Uhr

APA

Energie ist billig wie lange nicht, aber nicht jeder Energieverbraucher hat etwas davon. Autofahrer und Heizölkäufer durften sich im zu Ende gehenden Jahr über Tiefpreise freuen. Die meisten Gaskunden aber haben nichts von der Billigenergie auf dem Weltmarkt. Dafür kann es nur zwei Gründe geben: Ihr Gasversorger kauft seinerseits überteuert ein, oder aber er gibt die gesunkenen Bezugspreise nicht weiter. Beides sind Kündigungsgründe – eigentlich. Der Wechsel des Mobilfunk- oder Stromanbieters ist für viele zur Routine geworden. Und nicht wenige fahren wegen einem oder zwei Cent Ersparnis pro Liter Sprit kilometerweit zur günstigen Tankstelle. Gaskunden aber sind Phlegmatiker. Vier von Fünfen wechseln nicht. Ein Viertel steckt in der überteuerten Grundversorgung des regionalen Anbieters, statt wenigstens den günstigsten Tarif bei eben diesem zu wählen. Wer sich zu solch einem Tarifwechsel aufrafft, kann auch gleich nach dem günstigsten unter den seriösen Anbietern Ausschau halten. Das ließe in der Branche den Druck auf dem Kessel steigen. Sicher, für Mieter ist der Wechsel etwas komplizierter als beim Strom. Sie müssen erst den Vermieter einschalten. Aber wegen der enormen Ersparnis – laut Branchenkennern bis zu 600 Euro pro Jahr – lohnt sich der Mehraufwand allemal. Damit ist auch gleich ein gehöriger Teil der Winterurlaubs bezahlt.