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25. September 2014

Tagesspiegel

Kopftuch-Urteil: Fragwürdige Entscheidung

An der Arbeit der Krankenschwester gab es nichts auszusetzen. Doch als sie dabei ein Kopftuch tragen wollte, lehnte ihr Arbeitgeber ab. Zu recht, wie jetzt das Bundesarbeitsgericht entschied. Grundsätzlich habe das Selbstbestimmungsrecht einer evangelischen Einrichtung Vorrang vor der Glaubensfreiheit der Krankenschwester. Zunächst ist es schade, dass für die Klinik die Kopfbedeckung wichtiger ist als das pflegerische Engagement ihrer Mitarbeiterin. Der Islam hat zur Krankenpflege doch keine Position, die christliche Patienten beunruhigen könnte. Wer aus Gläubigkeit gerne anderen hilft, ist meist ein guter Mensch, unabhängig von der konkreten Konfession. Doch auch wenn sich die Kirche (noch) nicht bewegt, hätte man wenigstens von den staatlichen Richtern ein ausgewogeneres Urteil erwarten können. Immerhin werden kirchliche Sozialeinrichtungen ganz überwiegend von Staat und Sozialversicherung finanziert, der Finanzanteil der Kirchen liegt meist deutlich unter zehn Prozent. Da ist es keineswegs selbstverständlich, dass die Interessen der christlichen Arbeitgeber automatisch Vorrang haben vor den Bedürfnissen der Beschäftigten. Die muslimische Krankenschwester hat ihrerseits jedenfalls genügend Kompromissangebote gemacht, bis hin zur Bereitschaft, eine christliche Nonnenhaube aufzusetzen. Wenn nicht einmal solche super-pragmatischen Vorschläge aufgegriffen werden, wie soll da ein tolerantes Zusammenleben gelingen.

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Autor: Christian Rath