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08. Februar 2012
Tarifrunde der Metaller
Tagesspiegel: Geld ist nicht alles
Geld ist selten alles und in der Tarifrunde des wichtigsten deutschen Industriezweigs diesmal sogar nur Nebensache. Mit einer sechs vor dem Komma geht die Gewerkschaft in die Verhandlungen für die Metall- und Elektrobranche. Das ficht die Arbeitgeber nicht an. Kaum ist die tiefste Rezession der Nachkriegszeit vorbei, verdienen sie prächtig. Die Betriebe sind jüngst derart wettbewerbsfähig geworden, dass nun selbst deutliche Reallohnsteigerungen daran nichts ändern würden. Deshalb können sich die Tarifpartner in der Geldfrage geräuschlos einigen, wenn sie das wollen. Spannend wird es an anderer Stelle. Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge kommen auf die Agenda und damit Fragen nach der Gerechtigkeit, die keine einfachen Antworten zulassen. Wie viel Ungleichheit innerhalb der Belegschaften nimmt eine Gesellschaft in Kauf, die größtmöglichen Schutz für ihre Arbeitnehmer will, aber gleichzeitig von der Flexibilität ihrer Wirtschaft profitiert? Diese Flexibilität ist die Bedingung dafür, dass deutsche Firmen von ihrer Einbettung in den Welthandel profitieren, dass Löhne steigen, Beschäftigte um ihren Job nicht fürchten müssen. Andererseits: Ist es nach dem starken Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht an der Zeit, Einkommen und Sicherheit innerhalb der Arbeitnehmerschaft gerechter zu verteilen? Wie geht das, ohne die Firmen zu knebeln? Die Antwort darauf ist schwer. Mut macht, dass beide Tarifpartner der Pragmatik zugeneigt sind statt der Ideologie.
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Autor: Ronny Gert Bürckholdt
