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24. November 2008
Hilfe für Kaupthing-Sparer
Tagesspiegel: Haften tut gut
So manchem Politiker, Bankier, Manager oder vermögendem Anleger täte derzeit ein Besuch in der Freiburger Unibibliothek gut. Dort finden sich die Werke des Ökonomieprofessors Walter Eucken. Wie kaum ein anderer hat der Freiburger Wirtschaftswissenschaftler präzise dargelegt, wann eine Marktwirtschaft in Schieflage gerät. Zum Beispiel dann, wenn sie einem Roulettespiel gleicht, bei dem die Teilnehmer hohe Gewinne erzielen können, ohne dabei das Verlustrisiko tragen zu müssen. Die Spieler haften so nicht für ihr persönliches Handeln. Diesem verheerenden Sicherheitsgefühl leistet das Finanzministerium Vorschub. Mit deutschen Krediten werden die Einlagen deutscher Sparer bei der isländischen Kaupthing-Bank vollständig garantiert. Diese Bank hatte vor der Bankrotterklärung der Atlantikinsel mit extrem hohen Zinsen auch von deutschen Sparern Geld eingeworben. Die hatten ihre Tausender und Millionen bereitwillig den Isländern zur Verfügung gestellt – obwohl die Kaupthing-Kunden hätten wissen müssen, dass nur ein Teil des Geldes über einen Einlagenschutz gesichert war. Dieses Wissen wurde genauso zur Seite gewischt wie die Tatsache, dass hohe Renditen nur mit einem hohen Risiko zu erzielen sind. Haften Anleger, Bankiers und Manager nicht für ihre Entscheidungen und vertrauen lieber arrogant auf Staatshilfe, werden auch die besten Finanzmarktregulierungen verpuffen. Vielmehr ist dann der Samen für die nächste Krise schon gesät.
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Autor: Bernd Kramer
