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10. November 2014

Kommentar

Warum es auch für Gorbatschow kein Recht aufs Rechthaben gibt

Am Rande der Feierlichkeiten zu 25 Jahren Mauerfall löst Staats- und Stargast Michael Gorbatschow eine Diskussion aus: Droht ein neuer Kalter Krieg? Und wer ist dafür verantwortlich?

Der Mann ist ein Mythos, wenigstens hierzulande. Ohne Michail Gorbatschow keine Einheit, heißt es. Gorbi, der mutige Ermöglicher! Darf man ignorieren, wenn ein solcher Mann das Mauerfall-Jubiläum zu einer Mahnung nutzt? Nein, das darf man nicht. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass Gorbatschow seine Mahnung nicht nur am Samstag vortragen durfte, sondern heute auch Gelegenheit erhält, darüber mit der Kanzlerin zu diskutieren. Ein Recht aufs Rechthaben ist damit indes nicht gegeben. In der Tat liegt der frühere sowjetische Staats- und Parteichef richtig vornehmlich in einem Punkt: Ja, es droht ein neuer Kalter Krieg. Und ja, Vertrauen ist zerstört worden. Die Frage ist bloß: Wessen Handlungen führen zurück in die Kälte und wer hat Vertrauen ramponiert? Für Gorbatschow ist der Westen schuld. Seine Wahrnehmung von Geschichte läuft darauf hinaus, dass allen voran USA und Nato die Schwäche Russlands nach dem Zerfall der Sowjetunion ausgenutzt und den eigenen Einflussbereich ausgedehnt hätten. Diese Sicht blendet aus, dass die von Moskau unterdrückten Staaten Osteuropas nach der Wende mit aller Macht nach Westen strebten – zur Absicherung ihrer Freiheit. Die freie Wahl des Bündnispartners gehört zum Selbstbestimmungsrecht untrennbar hinzu. Den Deutschen ist es gewährt worden. Hätte man dieses Recht anderen versagen sollen? Auf seine alten Tage macht sich Gorbatschow zum Fürsprecher Wladimir Putins, der Recht nur gelten lässt, wenn es ihm nützt.

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Autor: Thomas Fricker