Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
23. Juni 2009 18:52 Uhr
Tagesspiegel: Spickmich-Urteil – diese Kritik nützt nichts
"Maier, setzen, fünf!" "Frau Müller, das hat Folgen – und zwar im Internet!" Sieht so künftig der Dialog in Klassenzimmer aus? Vielleicht, schließlich hat der Bundesgerichtshof die Benotung von Lehrern durch Schüler im Netz erlaubt.
Das Recht der Schüler auf freie Meinungsäußerung sei stärker als das Recht der klagenden Lehrerin auf informelle Selbstbestimmung, heißt es in dem Urteil. Das geht in Ordnung, Kritik muss den Kritisierten nicht gefallen. Am Kern des Streits geht das Spickmich-Urteil vorbei. Die entscheidenden Fragen sind: Helfen Zensuren für Lehrer das fürs Lernen entscheidende Miteinander zu verbessern? Oder machen sie ein ohnehin schwieriges Verhältnis noch schwieriges? Scheinbar herrscht Waffengleichheit. Auch Schüler üben mit den Zensuren Macht aus, die zwar nicht über Bildungswege und Berufschancen entscheiden, die aber das Bild eines Lehrers in der Öffentlichkeit prägen. Mit der dringend erforderlichen Rückmeldekultur an Schulen hat die anonyme Punktevergabe aber nichts tun. Welche Schlüsse soll ein Lehrer daraus ziehen, der seinen Unterricht verbessern will? Statt übereinander zu urteilen, sollten Schüler, Lehrer und Eltern miteinander reden. Zum Erwachsenwerden gehört nun auch mal der Mut, hinzustehen und seine Kritik zu äußeren. Die anonyme Lehrerbewertung im Internet hilft nicht weiter. Sie unterstützt nur die Feiglinge und die Allzubequemen, die vor allem keinen Ärger haben wollen.
Werbung
Autor: Petra Kistler
