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04. Februar 2015

Tagesspiegel

Cannabis als Medizin: Vorrang für die Hilfe

Und sie bewegt sich doch. Die Politik hat lange gebraucht, ehe sie die alten Bastionen geräumt und der Vernunft zum Durchbruch verholfen hat. Längst war nicht mehr nachvollziehbar, weshalb Palliativmediziner Morphium verabreichen dürfen, aber von Spastiken geplagte MS-Patienten oder wegen ihrer Appetitlosigkeit abmagernde Aids-Kranken der Joint vorenthalten wird. Die Schatten der Vergangenheit, der Dauerkonflikt zwischen Generationen und ihren Lebensstilen, haben allzu lange den klaren Blick darauf verstellt, worauf es ankommt: Kranke haben einen Anspruch auf bestmögliche Hilfe, ob aus der Pharmaküche oder dem Pflanzenbeet. Es ist gut, dass die Drogenbeauftragte und der Gesundheitsminister eingelenkt haben. Sie wollen nun mit einer Gesetzesänderung für die nötige Rechtssicherheit sorgen und die Finanzierung regeln. Denn von den 358 Schwerkranken, die inzwischen legal Cannabis beziehen, standen etliche jahrelang mit einem Bein im Gefängnis, für viele Unbekannte gilt dies bis heute. Sie dürfen hoffen. Wenig hilfreich ist es, unmittelbar die alte Debatte über die grundsätzliche Legalisierung aufzuwärmen. Nicht an diesem Tag, bitte. Jegliches hat bekanntlich seine Zeit. Denn genau diese Sorge, dass die Zulassung als Medikament zum Einfallstor für eine generelle Freigabe von Haschisch werden könnte, hat viele Jahre die Hilfe für die Kranken verhindert. Die Themen sauber zu trennen sind wir denen schuldig, die so dringend auf Linderung warten.

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Autor: Franz Schmider