UNTERM STRICH: Der Smiley mit Strähnchen fehlt noch

phi

Von phi

Fr, 21. April 2017

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Warum ein bisschen weniger Wahlfreiheit auch okay wäre / Martina Philipp.

Kein Mensch dürfte bei Vollbesitz geistiger Klarheit etwas gegen Wahlfreiheit haben. Wer in der Kantine zwischen Kassler, Gnocchi und Omelette wählen kann, fühlt sich besser, als wenn da nur ein Bohneneintopf steht. Schon Kinder schätzen es, wenn sie zwischen einem grünen und einem roten Gummibärchen aussuchen können. Dass beides quasi gleich schmeckt? Egal. Und Frauen lieben es, wenn sie zwischen Kind, Karriere sowie Kind und Karriere entscheiden können (sie wählen dann gerne Kind, Teilzeit und Altersarmut). Keine Frage, die Wahl zu haben ist schön. Es ist ein Privileg. Wir dürfen mitreden. Unsere Stimme zählt. In einem Wahljahr sowieso.

Eine ganz andere Sache ist es, was der Mensch mit seiner Wahlfreiheit anstellt. Beziehungsweise was sie mit seiner geistigen Klarheit anstellt. Das ist derzeit auf politischer Ebene gut zu beobachten. Was diesbezüglich am Sonntag in einem gut bekannten Nachbarland passiert, will man irgendwie noch gar nicht wissen.

Wieso treffen viele Menschen – jetzt mal ganz objektiv gesprochen – oft falsche, gar fatale Entscheidungen? Eine steile These dazu, die wissenschaftlich wohl noch nicht vollständig belegt ist, lautet: Weil sie pausenlos zu viele unwichtige Entscheidungen treffen müssen und ihnen somit die Weitsicht bei den wirklich wichtigen fehlt. Ein Blick aufs Handy reicht schon: Da gibt’s gefühlte zehn Millionen Emojis – also diese grinsenden, schniefenden Smileys, Schwein- und Sonnenscheinchen. Eine tanzende Frau (für die Autorin bis dato ein Symbol für "yipeeh!") gibt es neuerdings in blond, brünett und in drei verschiedenen gut gebräunten Hauttypen. Bald folgen wohl noch rothaarig, mit Strähnchen, Zahnspange, Brille und Piercing. Zum Wundwählen.

Dazu nur eines: Es hat einen Grund, warum manche Menschen bevorzugt in kleine Läden gehen, wo sie nicht zwischen 50 Joghurtsorten aussuchen müssen. Sehr, sehr viel Wahlfreiheit kostet manchmal schlicht Zeit und Nerven.