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06. April 2013

Unterm Strich

Reiseberatung per Video: Fahrkartenverkäufer, fast live

Die Bahn startet eine Reiseberatung per Videoübertragung / Von Sylvia Timm.

Einer nach dem anderen hatte in den vergangenen Jahren geschlossen, und wer nicht gerade in der Nähe eines größeren Bahnhofs wohnt, weiß schon lange nicht mehr, wie ein Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn, ja nicht mal wie ein Fahrkartenautomat aussieht. Aber den kann man ohnehin nichts fragen. Dieses Manko hat jetzt sogar die Deutsche Bahn erkannt und startet ein Pilotprojekt. Wer ab Mitte April seine Fahrkarte in Gengenbach, Triberg, St. Georgen, Engen oder Löffingen kaufen möchte, kann sich live per Videoübertragung beraten lassen. Per Ruftaste schaltet man sich auf den Computerarbeitsplatz eines Reiseberaters auf, der in Villingen-Schwenningen sitzt und zusätzlich zu den Ratsuchenden vor Ort auch noch die an den genannten fünf anderen Standorten mit Informationen versorgen soll. Täglich von acht bis 18 Uhr lassen Mikrofon und Kamera den Fahrkartenverkäufer per Knopfdruck auf dem Bildschirm erscheinen, bereit zum Gespräch an sechs Orten – zwar nicht gerade gleichzeitig, aber doch nacheinander.

Möge die Leitung besser sein als meine zu Hause oder bei den Leuten, mit denen ich zuweilen skype, denn sonst könnte bei manchem Reisenden der Eindruck entstehen, man kauft die Fahrkarten nun am einzig verbliebenen DB-Schalter im Universum – angesiedelt womöglich auf dem Mond, denn oft genug zuckeln Videogesprächspartner auf dem Bildschirm herum, als hätten sich die Daten von Nase, Augen und Mund auf dem Weg von A nach B irgendwo verknotet.

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Auf einem zweiten Bildschirm sollen Reise- und Buchungsinformationen dargestellt werden. Das kennen wir aus dem Internet, aber das haben eben nicht alle. Außerdem kann man am eigenen Rechner nur mit Karte bezahlen und nicht mit barer Münze, wie an den neuen Videoschaltern im Schwarzwald. Das ist doch was, oder? Sollten die Bildschirme in kurzer Zeit allzu viele Fingerabdrücke aufweisen, dann weiß die DB außerdem eines ganz sicher: Die Reisenden wollen einen Fahrkartenverkäufer zum Anfassen.

Autor: sti