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23. Juli 2010
Unterm Strich
Können 500 Millionen Facebook-Nutzer irren?
Hans P. Wühler fragt sich, ob Facebook nicht die Verwirklichung der Internet-Idee ist.
Sie kennen sicher auch den Spruch von den Millionen Fliegen. Und dass das Eklige auf deren Speisekarte nicht nur deswegen plötzlich gut ist, weil die Masse der Verzehrer so groß ist. Wer sich intellektuell wähnt, hat mit dieser Analogie stets ein wohlfeiles Argument gegen Massengeschmack parat. Doch ist dies immer zutreffend? Können 500 Millionen irren?
Im Fall von Facebook, jenem globalen digitalen Netzwerk, scheinen Zweifel angebracht. Der weltweite Erfolg dieser Plattform mag die Kritiker und Mäkler auf den Plan rufen. Und doch muss die Frage erlaubt sein: Ist Facebook nicht eigentlich die Verwirklichung all dessen, wofür das Internet einmal erfunden wurde?
Die Zahlen sind jedenfalls beeindruckend: 500 000 000 Menschen sind jetzt aktive Facebook-Nutzer. Die Zahl hat sich binnen Jahresfrist verdoppelt. Die Hälfte dieser Nutzer wählt sich täglich ein und schaut nach, welcher der im Durchschnitt 130 Freunde eine Nachricht hinterlassen hat oder etwas Neues aus seinem Leben zu berichten weiß.
Facebook ist damit zu einem der wichtigsten Mittel für den zwischenmenschlichen Austausch geworden. Und das war doch die Anfangsidee des Internets: Menschen über ansonsten unüberbrückbare Distanzen hinweg in Verbindung zu bringen. Bestehende Verbindungen halten und auf digitalem Weg vertiefen. Prima.
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Wenn da doch nicht der Datenschutz und die Privatsphäre wären, höre ich jetzt die Ilse Aigners dieser Republik stöhnen, in der mittlerweile auch schon jeder Achte ein Facebook-Konto hat. Ja doch.
Natürlich ist eine Datenbank mit Informationen über eine halbe Milliarde Menschen ein potenzieller Machtfaktor und birgt jede Menge Gefahren in sich. Wir haben ja schließlich alle unseren Orwell gelesen. Aber gerade durch das Internet sind wir – wenn wir wollen – informierter und aufgeklärter denn je und können mit diesen Gefahren umgehen.
Und wenn es ganz schlimm kommt, gründen wir halt schnell eine Facebook-Gruppe für mehr Privatsphäre.
