Unterm Strich

Verkehrsminister Dobrindt ist auffallend häufig daheim unterweg

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Sa, 12. August 2017

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Kennen Sie Obing? Nein? Das Obing auf halber Strecke zwischen Amerang und Altenmarkt an der Alz?

In Radelentfernung zum Chiemsee? Und wie sieht es mit Kürnach aus? Okay, muss man auch nicht kennen, liegt in Unterfranken, die Gegend Würzburg und Schweinfurt. Wegfurt ist auch ganz nahe bei, ebenso Schwebheim.

Die Orte verbindet, dass sie zuletzt Ziele von Dienstreisen unseres Dieselministers Alexander Dobrindt waren, wenn dieser mal wieder raus wollte aus der stickoxidverpesteten Berliner Luft. Ausweislich der Mitteilungen des Bundesverkehrsministeriums ist CSU-Mann Dobrindt – oder/und seine Vertreterin Dorothee Bär – derzeit außergewöhnlich viel unterwegs. Würde man jedoch all die Orte der Deutschlandreise mit einem roten Kreis kennzeichnen, die Karte wäre recht einseitig bemalt. Sagen wir: unten rechts üppig, ansonsten eher überschaubar.

Positiv gewendet betreiben die beiden Emissäre der Bundesregierung gerade Bildungsarbeit. Grundwissen Geografie, Landeskunde Bayern. Pleichach? Rothof? Altenmarkt? Nie gehört? Eben, Lückenschließen mit Dobrindt, Bildung und Asphalt. A 7, B 286, A 6, B 85, B304? Nie genutzt? Dabei handelt es sich um die "wichtige Nord-Süd-Achse in der Region Ostbayern", eine "hoch belastete Straße" mit täglich 16 000 Fahrzeugen, wahlweise auch eine "wichtige Verkehrsachse in Oberbayern" – 9000 Fahrzeuge wurden dort in der Ortsdurchfahrt gezählt, weshalb dringend eine Umgehungsstraße errichtet werden muss. 9000? In Falkensteig an der B 31 würden sie ihre Ohropax entfernen und ein Feuerwerk zünden. Die Echelsbacher Brücke, "ein Wahrzeichen Oberbayerns", wird jetzt auch saniert, 22 Millionen Euro berappt der Bund. Überall müssen Spaten in den Boden gerammt, Bänder durchschnitten werden, man könnte sich glatt Sorgen machen wegen drohender Sehnenscheidenentzündungen. Doch die sind nicht angebracht. Denn das Ende ist absehbar. Der 24. September ist nicht mehr fern.