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09. Januar 2009
Energiesparen in Deutschland
KOMMENTAR: Wer macht den Anfang?
Eines muss man den Schweizern lassen: Sie haben den besseren Namen. In Deutschland spricht man von Passivhäusern; das klingt so furchtbar nach Phlegma. Man baut Nullenergiehäuser; auch das hört sich ziemlich ausgepowert an. Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft hingegen, von den Schweizern propagiert, erweckt das Gefühl von Kraft und Dynamik. 2000 Watt sind mehr als eine Schlagbohrmaschine leistet. Auch ein Staubsauger mit 2000 Watt Leistung ist alles andere als ein Schwächling. Also kann man assoziieren: Eine 2000-Watt-Gesellschaft muss vor Energie strotzen.
Das Problem jedoch: Selbst die 2000 Watt reichen uns derzeit nicht, wir leben in einer 6000-Watt-Gesellschaft – und keiner merkt’s. Pro Kopf werden in Deutschland rund um die Uhr 6000 Watt verbraten. Wo geht die ganze Energie hin? Wir verheizen sie in schlecht gedämmten Häusern. Wir fahren überdimensionierte Autos mit Motoren, die nicht zeitgemäß sind. Wir verbrauchen die Energie bei der Herstellung von Produkten, die zu schnell im Müll landen. Ein Batzen Energie verpufft, ohne dass er uns einen Nutzen bringt.
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Die entscheidenden Hemmnisse bei der Umsetzung von Energieeffizienz und Klimaschutz sind nicht ökonomischer Art. Würde man nämlich nur all das tun, was heute ohnehin wirtschaftlich ist, käme man schon mächtig voran. Und je höher die Energiepreise steigen, umso größer wird das Potenzial wirtschaftlichen Klimaschutzes.
Das größte Problem sind Denkblockaden und formale Hemmnisse. Denn Klimaschutz spart häufig Geld. So ist Kochen mit Gas billiger und klimafreundlicher als mit Strom – und dennoch tut sich der Gasherd in den Haushalten schwer. Selbst, wo die Bahn billiger und schneller fährt, nehmen viele Menschen das Auto, weil sie es immer schon taten. Und auch wirtschaftlich attraktive Sanierungen von Häusern unterbleiben, weil der Eigentümer die Kosten, der Mieter hingegen den Nutzen hat. Die 2000-Watt-Gesellschaft ist keine Frage der Technik und auch nicht eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Sie ist vor allem eine Frage der Psychologie, des Willens und der politischen Lenkung.
Zürich geht den Weg in Richtung 2000-Watt-Gesellschaft. Allein schon der räumlichen Nähe wegen wäre Südbaden prädestiniert, die erste 2000-Watt-Gemeinde Deutschlands auszurufen. Noch besteht die Chance für Kommunen, sich damit bundesweit einen Namen zu machen.
Autor: Bernward Janzing
