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12. März 2010

Tagesspiegel

Winnenden und die Medien

Es gehört zu den bitteren Erfahrungen, dass es offenbar solcher Katastrophen wie der von Winnenden bedarf, um manche Diskussionen in Gang zu setzen. Plötzlich werden dann gesetzliche Regelungen möglich, die man vorher nicht für nötig oder für zu teuer erachtete. Doch viele gute Vorsätze verblassen mit dem Abstand zur Katastrophe, geraten in Vergessenheit, bis uns ein neues Ausnahmeereignis an unsere Versäumnisse erinnert. Bundespräsident Horst Köhler hat bei der Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs von Winnenden nicht nur Gesetzgeber und Gesellschaft an ihre Verantwortung erinnert, sondern auch die Medien. Zusammen mit dem Expertenrat der baden-württembergischen Landesregierung hat er uns aufgefordert, klare Regeln für die Berichterstattung von solchen Ereignissen zu erarbeiten. Denn eine detaillierte Berichterstattung über die Täter, das weiß man nicht erst seit dem schrecklichen Ereignis vor den Toren Stuttgarts, motiviert Nachahmer. Doch bei Medien ist es wie im übrigen Leben: Meist fehlt es nicht an Regeln, sondern es mangelt an deren Einhaltung. Würde Ziffer elf der publizistischen Grundsätze des Deutschen Presserates im journalistischen Alltag immer beachtet, müsste man über die meisten Auswüchse der Sensationsberichterstattung nicht reden. Die Schelte des Bundespräsidenten sollte Journalisten dazu veranlassen, sich dieser Regeln zu vergewissern. Auch wenn man zweifeln muss, dass dies im Alltag lange vorhält.

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Autor: Thomas Hauser