Diesel

Abdriften Richtung Bananenrepublik Deutschland

Dr. Fritz Lenz, Schopfheim

Von Dr. Fritz Lenz & Schopfheim

Mi, 14. März 2018

Leserbriefe

Zu: "Der Diesel steht auf dem Prüfstand", Beitrag von Franz Schmider (Politik, 21. Februar)

Millionen Dieselfahrzeuge haben die Deutschen im letzten Jahrzehnt neu gekauft, damals mit – nach Herstellerangaben – korrekten Abgaswerten und mit einer Zulassung des Kraftfahrt-Bundesamtes. Jetzt droht den Dieselfahrzeugen ein Fahrverbot, weil die Hersteller ihre Kunden betrogen haben und die vorgegaukelten Emissionswerte von den Motoren nicht eingehalten werden können. Das ist Betrug am Kunden.

Normalerweise wird in einem Rechtsstaat so ein Betrug bestraft und der Kunde entschädigt. Aber anstatt sich zu entschuldigen, Reue zu zeigen und die Käufer zu entschädigen, bietet ihnen die Autoindustrie nur ein Softwareupdate an. Dieses bringt aber nur eine ungenügende Stickoxidsenkung. Außerdem ist umstritten, ob Leistung und Lebensdauer des Motors nicht darunter leiden. Auf dem Tisch liegt seit dieser Woche auch das Ergebnis einer Testreihe mit Hardwarenachrüstung, die vom ADAC Württemberg mit Unterstützung des Landesverkehrsministeriums durchgeführt wurde: Vier gängige Euro-5-Dieselfahrzeuge, die vor der Nachrüstung die gesetzlichen Grenzwerte "zum Teil dramatisch" überschritten hatten, konnten danach ihren Stickoxidausstoß um 50 bis 88 Prozent senken.

Deshalb muss man von der Industrie fordern: Entschädigt eure Kunden – die Opfer eures Betruges sind – mit einer Hardwarenachrüstung. Mit Kosten in Höhe von 1400 bis 1500 Euro pro Fahrzeug ist diese Entschädigung preisgünstig und lässt sich in der Großserie sicher noch verbilligen. Vielleicht beteiligt sich auch Berlin daran, trägt doch die Politik an diesem Skandal ein gerüttelt Maß an Mitschuld.

Ich bin gespannt, ob die Politik die Autoindustrie endlich an die Kandare nimmt oder ob unser Staat weiter Richtung "Bananenrepublik Deutschland" abgleitet.Dr. Fritz Lenz, Schopfheim