Auseinandersetzung so aktuell wie vor 50 Jahren

Hannelore Mohringer, St. Blasien

Von Hannelore Mohringer & St. Blasien

Mi, 14. Februar 2018

Leserbriefe

Fünfzig Jahre nach der historischen Debatte zwischen Ralf Dahrendorf und Rudi Dutschke am 30. Januar 1968 können wir gespannt sein, ob die Medien ihre Leser an das Ereignis erinnern und es kommentieren werden. Zur Badischen Zeitung hatte Ralf Dahrendorf wegen seines Wohnsitzes eine enge, und wie es heißt, beratende Beziehung. Es ist nur folgerichtig, dass die Badische Zeitung dem Ereignis eine ausführliche Betrachtung widmet: "Revolte ante portas".

27 Jahre danach – aus der Revolte war die Partei der Grünen entstanden –, beantwortete Ralf Dahrendorf meinen Wunsch, auf einer Veranstaltung Stellung zu der Frage zu nehmen, ob Deutschland faktisch, aber ungewollt oder wünschenswerterweise Einwanderungsland ist, und was anstelle "der, wie auch ich meine, falschen Forderung nach doppelter Staatsbürgerschaft, die richtige" ist, am 30. Juli 1995: "Ich möchte nicht in den Ruf kommen, große Versprechungen zu machen und dann meiner Wege zu gehen. Jedenfalls nicht ein zweites Mal. In der Tat habe ich beschlossen, mich überhaupt nicht mehr zur FDP zu äußern, es sei denn im Rahmen allgemeiner Partei- und Demokratieanalyse."

Meines Wissens hat er sich daran gehalten, obwohl die FDP ihn wiederholt als einen der ihren darstellt. Ralf Dahrendorf wird in die Geschichte eingehen mit dem Bild der Auseinandersetzung zwischen radikalem Sozialismus und einer Liberalität, die in Deutschland immer noch ihre Heimat sucht und so aktuell ist wie vor 50 Jahren. Hannelore Mohringer, St. Blasien