Bahn

Die Mängel bei einem wirkten sich bei mehreren Anbietern auf das gesamte Schienennetz aus

Gunter Bäuerle

Von Gunter Bäuerle (Freiburg)

Do, 06. Dezember 2018

Leserbriefe

Zu: "Mehr Geld für die Bahn", Agenturbeitrag und "Pünktlich ankommen", Kommentar von Thomas Wüpper (Wirtschaft, 24. November)

Trotz zahlreicher Darlegungen, denen man sich anschließen kann, können die beiden Artikel nicht völlig unwidersprochen bleiben. So wird gegen alle Tatsachen behauptet, dass "nur wenige Anbieter" die Öffnung der Schiene nutzen. Zwar ist es richtig, dass es im Fernverkehr der Bahn nur wenige Anbieter neben der Deutschen Bahn gibt (dies hat vor allem den Grund, dass der Fernverkehr ohne Subventionen auskommen muss und die Einstiegsinvestitionen enorm hoch sind), im Nahverkehr ist die Zahl der Anbieter aber in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. So gibt es bereits Bundesländer, in denen die Deutsche Bahn von den sogenannten Privatanbietern, hinter denen aber fast immer ausländische Staatsbahnen (Italien, Niederlande unter anderem) stehen, fast vollständig verdrängt wurde (zum Beispiel Niedersachsen, Sachsen und zunehmend auch Nordrhein-Westfalen). Dies nur zur Klarstellung.

Außerdem fragt man sich, was an der Bahn besser werden würde, wenn statt eines Anbieters mit guter Qualität zahlreiche Anbieter mit sicherlich unterschiedlicher Qualität auf den Schienen fahren könnten. Mängel bei einem wirkten sich dann auf das gesamte Netz aus.

Abenteuerlich sind die Rezepte, die zum Beispiel auch von Ihrem Kommentator zur Verbesserung der Pünktlichkeit bei der Bahn empfohlen werden. Allen voran geht die Empfehlung einer Trennung von Fahrweg und Betrieb. Was eine solche Trennung aber für einen Nutzen haben soll, wird gerne verschwiegen – keiner weiß es. Im Gegenteil: Jeder, der die Bahn öfter nutzt, weiß, dass gefühlt 80 Prozent aller Verspätungen den Störungen im Fahrweg anzulasten sind. Dazu gehören ja nicht nur die Verspätungen wegen Bauarbeiten, sondern auch Störungen an Signalen, Weichen, Bahnübergängen und Falschdispositionen der Zugleitung. Auch der Fahrplan wird nicht von den Betreibern, sondern von den Netzkapazitäten diktiert. Der sprunghafte Anstieg der Zugzahlen (Nahverkehrszüge, aber auch Güterzüge von zahlreichen Unternehmen) hat zu einer Überlastung des Netzes geführt, so dass eine an sich kleine Störung umfangreiche Auswirkungen nach sich zieht. Gunter Bäuerle, Freiburg