Preissteigerung bei STuttgart 21

Die tiefe öde Grube, dieses Loch, könnte immer noch sinnvoll genutzt werden

Jürgen Lodemann, Freiburg

Von Jürgen Lodemann & Freiburg

Mo, 04. Dezember 2017

Leserbriefe

Zu: "Eine Milliarde mehr S 21", Agenturbeitrag (Politik, 30. November):

Erschütternd, diese scheinbaren Neuigkeiten zu Stuttgarts Tiefbahnhofsprojekt, vor allem deshalb, weil alles noch viel schlimmer ist.

Seit dem Jahr 2010, als Hunderttausende rund um Stuttgarts Hauptbahnhof energisch und mit besten Argumenten protestierten gegen die Fülle der Fehlplanungen, seitdem üben Regierungen und Teile der Presse eine eigenartige Treue zu dem, was da seit mehr als 20 Jahren geplant und betrieben wird. Weil am Anfang unter dem Zauber einer eleganten Tiefbahnhofsarchitektur eine Immobiliengier erwachte, die im Zentrum unserer Landeshauptstadt profitable Grundstücke witterte auf dem irgendwann stillzulegenden Kopfbahnhof. Landesvater Kretschmann, nach der knapp befürwortenden Volksabstimmung, resignativ: "Der Käs is gesse". Aber der war, sage ich, voller Würmer.

Das Volk entschied nicht nur auf Grund völlig falscher Kostendaten, damals vier Milliarden, heute – nun sogar offiziell – fast das Doppelte, von Kennern aber seit 2010 durchgerechnet auf mindestens zehn Milliarden. Das Volk entschied auch auf Grund sehr falscher Kapazitätsbehauptungen, denn wir sollten glauben, die acht Gleise in der Tiefe leisteten mehr als die 16 im Kopfbahnhof.

Kopfbahnhöfe gelten in Frankfurt, Leipzig oder Paris als Attraktion, als urbane Zentren. Mit nicht mal einer Milliarde hätte auch der Stuttgarter so etwas werden können. Und ja, das kann er immer noch werden, wunderbar geplant und durchgerechnet existiert in Stuttgart das Projekt "Umstieg 21"!

Die tiefe öde Grube, dieses Loch könnte noch immer sinnvoll genutzt werden, für Busbahnhöfe, für Garagen, am Ende wären dann höchstens drei Milliarden zu zahlen. Inzwischen aber lässt die Regierung das Unding weiter bauen und macht sich, wie ich finde, massiv schuldig.

Doch immer noch will ich daran glauben, dass das sonst stets wachsam agierende Eisenbahnbundesamt das Schwarze Loch in Stuttgarts Innenstadt niemals genehmigen wird, weil es das nicht darf.

Jürgen Lodemann, Freiburg