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03. September 2008

Qingdao

Eine Werkstatt aus dem Freiburger Raum hat jetzt dort eine Orgel gebaut

Bernd Martin und Winfried Schumacher sei Dank für die kenntnisreichen Darstellungen der Wurzeln von Qingdao in der deutschen Kolonialzeit. Die Spurensuche in der Vergangenheit der chinesischen Millionenstadt mag durch einige Bemerkungen zur Gegenwart ergänzt werden. Heute sind in der Olympiastadt wieder deutsche Firmen in vielfältiger Weise tätig. So erfordert etwa die Sanierung der historischen Bauten spezielle europäische Handwerkerkompetenz, z. B. bei der Restaurierung von Bleiverglasungen. Ein bereits abgeschlossenes Projekt mag die Leser der Badischen Zeitung besonders interessieren: Die große katholische Kathedrale St. Michael, ein neoromanischer Bau aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, hat vor kurzem eine neue Orgel bekommen, erbaut von einer Orgelbau-Werkstatt aus dem Freiburger Raum. Bedingung für den Zuschlag des Auftrags war, dass das Instrument vor Beginn der olympischen Spiele fertig sein musste. Am 4. Juli wurde es mit einem kleinen Konzert der Öffentlichkeit vorgestellt. Die offizielle Einweihung steht noch aus.

Die Kirche besaß schon einmal eine Orgel, die aber während der Kulturrevolution zerstört wurde, und zwar so gründlich, dass heute kein Detail und kein Foto mehr erhalten und nicht einmal ihre Disposition bekannt ist. Man weiß nur, dass sie 32 Register hatte. Mit 38 Registern, darunter einem 32-Fuß, ist die neue Orgel noch etwas größer. 2666 Pfeifen, gespielt auf zwei Manualen und Pedal, sollen einen Klang in der Tradition der Romantik entfalten, dem Charakter des Raumes angepasst.

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Der Wunsch nach einem so mächtigen Instrument wird verständlich,wenn man weiß, dass heute etwa 30 000 Katholiken in Qingdao leben sollen. Ein Belgier, verheiratet mit einer Chinesin, versieht den Organistendienst. Er wird vielleicht demnächst durch eine Chinesin entlastet: Eine Studentin aus Qingdao hat kürzlich ihr Orgel-Studium an der Freiburger Musikhochschule aufgenommen.

Autor: Dr. Jürgen Braun, Staufen