Antisemitismus

Fast alle Schüler machen diese Erfahrungen

Anna Nedlin-Lehrer, Freiburg

Von Anna Nedlin-Lehrer & Freiburg

Mo, 16. April 2018

Leserbriefe

Zu: "Etwas mehr Augenmaß, bitte!", Beitrag von Thomas Fricker (Politik, 28. März)

Ihr Kommentar "Judenhass an Schulen ist schlimm, aber kommt nicht massenhaft vor" hat mich sehr verwundert. Wie kommen Sie dazu zu schreiben, dass Antisemitismus an Schulen kein Massenphänomen sei?

Geht es Ihnen dabei darum, dass keine "Masse" von Schülern betroffen ist? Dann haben Sie natürlich Recht. Juden machen in Deutschland höchsten 0,3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Im Vergleich zur Zahl der Smartphonenutzer kann man da natürlich nicht von einer Masse sprechen.

Fragt man aber bei jüdischen Kindern und Jugendlichen nach, erfährt man, dass fast alle und fast alle gerade im schulischen Rahmen, Erfahrungen mit Antisemitismus machen. Es handelt sich also doch um ein massenhaftes Phänomen – dessen sich eben nur eine kleine Gruppe bewusst ist.

Und natürlich haben Sie Recht: "Jede einzelne Tat aus Judenhass ist eine Tat zu viel". Sie erwähnen in Ihrem Text, dass es zwei antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg in den letzten zwei Jahren gegeben habe, und versuchen damit zu erklären, dass es sich dabei nicht um ein "Massenphänomen" handle. Zahlreiche Studien renommierter Wissenschaftler zeigen aber, dass die offiziellen Zahlen in keiner weise die Anzahl der tatsächlichen Vorfälle abbilden.

Welcher Schüler geht schon zur Polizei, wenn er auf dem Schulhof gemobbt wird oder wenn Kommentare von Lehrern kommen?

Anna Nedlin-Lehrer, Freiburg