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17. Juli 2017

Menschenleben

Globalisierung ist da nur eine bloße Farce

Zu: "Baby Charlies Leiden", Beitrag von Peter Nonnenmacher (Politik, 11. Juli) und "Ein echter Grenzfall", Beitrag von Jannik Jürgens (Die dritte Seite, 11. Juli):

Wenn man diese beiden Artikel gelesen hat – und bei aufgeschlagener Zeitung kommen sie genau nebeneinander zu liegen – wird einem wieder mal eklatant der sehr unterschiedliche Maßstab vor Augen geführt, mit dem der Wert von Menschenleben in der sogenannten westlichen Welt und in den sogenannten Entwicklungsländern gemessen wird.

Charlies Eltern sehen sich im Recht – auch gegen den Rat der Ärzte und gegen das Urteil der Gerichte –, ihr unheilbar krankes Kind unter enormem logistischem und finanziellem Aufwand im Ausland einer fragwürdigen experimentellen Behandlung unterziehen zu lassen. Dafür haben sie sage und schreibe 350 000 Unterschriften gesammelt! Sogar der amerikanische Präsident und der Papst legen sich für sie ins Zeug!

Der Wert des Lebens der jungen afrikanischen Flüchtlinge, die bereits unter Einsatz aller ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte geflohen sind und die versuchen, eine menschenwürdige Perspektive für ihr junges Leben in Europa zu finden, geht in der westlichen Welt gegen null. Von offizieller Seite jedenfalls wird alles getan, um ihre Ein- oder Weiterreise zu verhindern, wird ihr Tod billigend in Kauf genommen oder sogar provoziert.

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Ein einzelner mutiger Bürger (Cédric Herrou – chapeau!), der es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht hat, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen und damit zu unterstützen, wird von den Behörden und Gerichten drangsaliert, verfolgt und verurteilt!

Solange wir es nicht schaffen, von unserem postkolonialistischen Denken abzukommen und wirklich jedem Menschenleben den gleichen Wert beizumessen, ist eine sogenannte "Globalisierung" eben nur eine bloße Farce!
Daniela Meinig, Freiburg

Autor: Daniela Meinig, Freiburg