Chemnitz

Ich mag nicht zur schweigenden Mehrheit gerechnet werden

Diana Engelhardt

Von Diana Engelhardt (Stegen)

Mo, 10. September 2018

Leserbriefe

Zu: "Die CDU muss ihr Verhältnis zur AfD klären", Interview von Lars Klingbeil mit Thomas Maron (Politik, 3. September)

Ich sitze im Sessel – erschlagen von der Zeitungslektüre. Darum muss ich einen Leserbrief senden. Ich bin schon älter, körperbehindert und fahre im Rollstuhl – infolge von Krankheiten und Entbehrungen in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Zum Glück hatte ich gute Lehrer und aufmerksame Eltern. So konnte ich den Aufbau unseres Rechtsstaates und vor allem die Entstehung der Verfassung mit ihren Grundrechten miterleben. Wie viele meiner Freundinnen und Freunde meines Jahrgangs habe ich versucht, gemeinsam mit Gleichgesinnten, die Schattenseiten der deutschen Geschichte aufzuarbeiten. Diese Erkenntnisse haben wir an die eigenen Kinder und Kindeskinder weitergegeben sowie einige von uns erfolgreich an viele Schülerinnen und Schüler.

Wir haben die Freiheit und die Pflicht, uns einzumischen und die Meinungsvielfalt zu unterstützen. Das muss allen Demokraten klar sein: Die AfD will ein Land, in dem jeder, der anders denkt oder aussieht, Angst haben muss. Ich will mich nicht im Ohrensessel zurücklehnen, sondern mit meinen bescheidenen Mitteln den rechten Hetzern aufrecht "entgegen treten". Wenn wir – aus welchen Gründen auch immer – nicht demonstrations-fähig sind, sollten alle, die sich von meinen Worten angesprochen fühlen, unserem Innenminister Horst Seehofer trotzdem lauthals widersprechen. "Wir sind mehr" – gerade wir Älteren und Behinderten – nicht nur die "Toten Hosen", die diesen Slogan gewählt haben.

Die Freiheit des Einzelnen liegt mir am Herzen: Ich mag nicht zur schweigenden Mehrheit gerechnet werden!

Diana Engelhardt, Stegen