Flüchtlinge im Job

Ich wollte den Politikerrat befolgen

Harry Kunzer, Maschinenbau

Von Harry Kunzer, Maschinenbau (Maulburg)

Mi, 13. Juni 2018

Leserbriefe

Zu: "Mehr Flüchtlinge im Job", Beitrag von Ronny Gert Bürckholdt (Politik, 2. Mai)

Integration – wie viel muss man sich gefallen lassen? Kein Tag vergeht, an dem nicht in den verschiedensten Medien über Flüchtlinge, Migration und auch deren Integration berichtet wird.

Politiker und andere Institutionen legen uns Firmen nahe, mit der Integration von Flüchtlingen den zweifellos vorhandenen Facharbeitermangel zu minimieren. Hier zeigt sich aber, dass Politiker und deren Unterstützer von der Realität wieder einmal weit entfernt sind, und es sich eher um einen Wunschgedanken handelt.

In meinem konkreten Fall geht es um einen Flüchtling ohne Schulabschluss. Ich wollte den Politikerrat befolgen und stimmte einer "Eingliederungsmaßnahme" in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter zu. Innerhalb der sechs Monate dauernden Tätigkeit sollte Herr H. lernen, sich in die Arbeitswelt zu integrieren und danach eine Ausbildung starten. Soweit die Theorie.

Schon bald, um genau zu sein, noch innerhalb der Probezeit, stellte sich bei ihm jedoch eine gewisse Unzufriedenheit über den, aus seiner Sicht zu geringen Verdienst, ein. Schon nach knapp der Hälfte der Zeit warf Herr H. das Handtuch.

Auch mein Angebot, Herrn H. nach Abschluss dieser sechs Monate in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit Mindestlohn zu übernehmen, lehnte Herr H. mit der Begründung ab, dass man davon nicht leben könne.

Wie viele Menschen müssen vom Mindestlohn leben – sogar Familien? Und die schaffen das auch!

Der Mindestlohn wäre für Herrn H. ein Anfang gewesen. Hätte er mir gezeigt, dass man ihm mehr Verantwortung übertragen kann, dann wäre ein angemessener Lohn natürlich nur die logische Folge gewesen.

Das Jobcenter hat es bisher auch nicht für nötig gehalten, überhaupt einmal bei mir nach den Details des vorzeitigen Abbruchs der Integrationsmaßnahme nachzufragen.

Irgendetwas läuft in unserem Land da wohl falsch.

Harry Kunzer, Maschinenbau, Maulburg