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13. September 2017

Die Kandidaten im Bundestagswahlkampf

In Europa wird geduldiges und geschicktes Ausgleichen gefragt sein

Zu: "Duell der Europäer", Beitrag von Christopher Ziedler (Magazin & Reise, 26. August):

Der Essay entwirft in bemerkenswerter Weise einen Weg, auf dem europäische Politik in Zeiten des Wahlkampfs vorangebracht werden kann: Man entwerfe einen Katalog von Zielen, die möglichst vielen Einzelinteressen und politischen Denkrichtungen in Deutschland entgegenkommen. Dann konkretisiere man die Ziele und diskutiere sie in einer breiten Öffentlichkeit mit Fachleuten aus Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Soziologie. Dabei wird man eine Fülle sich widersprechender oder sich ausschließender, aber jeweils unumstößlicher Konzepte und Visionen zu den gestellten Fragen entdecken, die seit Jahrzehnten unter den Fachleuten nicht ausdiskutiert werden konnten. Darauf erarbeite man eine Synthese der Diskussionsergebnisse, trage sie den übrigen 27 europäischen Partnern vor und erzwinge ihre Durchsetzung. Wie der Essay andeutet, ist besonders ein Politiker hierzu vorbereitet, der viele Jahre lang die Zukunft Europas in einer Spitzenposition mitgestaltet hat und nun feststellt, es sei Zeit, diese Zukunft nicht weiter auszusitzen. Mir scheint jedoch, die notwendige Neugestaltung des politischen Gefüges in Europa wird nur durch geduldiges, geschicktes Ausgleichen vieler nationaler Interessen zu erreichen sein; ohne sich schon im Vorfeld auf zementierte Positionen festgelegt zu haben, die ja dem Wähler gegenüber als verbindlich gelten sollten. Wir sollten uns überdies bewusst sein, dass Europas Völker eine Vormachtstellung Deutschlands bei der Gestaltung der Zukunft Europas nicht mit Wohlwollen begrüßen, sondern bestenfalls mit resigniertem Gleichmut, und dass sie für jedes Zugeständnis ihren Preis einfordern werden. Die Kanzlerin scheint mir alle diese Zusammenhänge in ihrer Strategie angemessen zu berücksichtigen.Manfred Prigge, Umkirch

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Autor: Manfred Prigge, Umkirch