In unserem Land ist jeder Wolf ein Problemwolf

Peter Martin

Von Peter Martin (Freiburg)

Mi, 16. Mai 2018

Leserbriefe

Zu: "Wolf wütet in einer Schafsherde", Agenturbeitrag (Politik, 2. Mai)

Das Mantra der Naturschützer war immer: Gebrüder Grimms Märchen vom Wolf verzerren das Bild. Bisweilen wurde sogar der Eindruck vom Wolf als Schoßhündchen erweckt, das sich durch Klatschen oder Rufen ganz leicht vertreiben lässt.

Nun also die (viel brutalere) Realität: der Wolf und die 43 Schäflein. Ein Experte erklärt ungerührt, dass dieses Verhalten durchaus artgerecht sei, und nicht das Ob sei fraglich gewesen, sondern nur das Wann. Nun gibt es ja noch ein weiteres Grimm-Märchen vom Rotkäppchen. Der Mensch gehöre nicht zum Beuteschema des Wolfes, erklärt der Naturschutzbund dazu.

Keiner kann mir erzählen, dass ein weinendes oder ein schreiendes, ein weglaufendes Kind oder eine Joggerin von einem hungrigen Wolf oder gar Rudel nicht gar auch als eine leichte Beute betrachtet würde.

Es ist ein Unding, dass über die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU (die – einmal von weltfremden Tierschützern, die sich eine ursprüngliche Wildnis erträumen, in der Menschen am besten gar nicht vorkommen, entworfen – in Stein gemeißelt scheint) der Alltag von Menschen in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft derart beeinträchtigt oder gar gefährdet wird. In unserem Land ist jeder Wolf ein Problemwolf!

Erst einmal sesshaft geworden, wird er sich explosionsartig vermehren und auch stadtnahe oder sogar städtische Gebiete besiedeln. Ähnliches ist bei bei Krähen zu beobachten, die mittlerweile auf fast jedem städtischen Baum nisten und tagaus nachtein einen Höllenlärm veranstalten und alle möglichen weiteren negativen Folgen mit sich bringen, aber immer noch als extrem selten und gefährdet geschützt sind.

Eben mal im Wald joggen gehen oder spielen wird dann nicht mehr möglich sein. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien müssen daher (notfalls einseitig) außer Kraft gesetzt oder ignoriert werden (so wie es in der Finanz- oder Flüchtlingspolitik ja gang und gäbe ist).

Wenn schlussendlich Wolfsfreunde die angeblich 80-prozentige Zustimmung der Bevölkerung zum Wolf anführen, sei darin erinnert, dass Martin Schulz auch einst mal 100-Prozent-Werte in seiner Partei hatte.

Peter Martin, Freiburg