Jeder zweite Studierende muss heute einer Nebentätigkeit nachgehen

Moritz Riesinger

Von Moritz Riesinger (Freiburg)

Mo, 11. Februar 2019

Leserbriefe

Im Kommentar zur Studienförderung Bafög schreiben Sie, dass die sinkende Zahl der Bafög-Bezieher eine gute Entwicklung sei. Ich glaube nicht, dass übermäßig gestiegene Löhne von Eltern die Ursache sind. Immer mehr junge Menschen fallen heute durch das Raster der Förderung, weil die Bedarfssätze und Freigrenzen für Besitz sowie das Einkommen der Eltern nur alle paar Jahre angepasst wurden. Die letzten Erhöhungen erfolgten 2010 und 2016. Der damalige Anstieg um circa sieben Prozent, reichte nicht einmal annähernd aus, um die Inflation der sechs Zwischenjahre auszugleichen.

Wichtige und kaum vermeidbare Ausgaben wie etwa Kosten für Wohnraum sind in der gleichen Zeit förmlich explodiert. Eine Folge ist, dass jeder zweite Studierende einer Nebentätigkeit nachgehen muss. Das ist der höchste Anteil in Europa und erklärt auch, warum bei uns die durchschnittliche Studiendauer so hoch ist. Für mich ist das eine verschleierte Sparpolitik auf Kosten der Chancengerechtigkeit. Denn es ist doch eine fatale Entwicklung, wenn sich junge Menschen aus einkommensschwachen Familien trotz Eignung gegen ein Studium entscheiden, weil sie sich nicht auf die Bafög-Förderung im Land verlassen können. Moritz Riesinger, Freiburg