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07. August 2008
antisemitismus
Max Nordau, Sohn eines Rabbiners, hat das Wort "entartet" eingeführt
Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, wird in der BZ als lauter Rufer beschrieben, der keine Angst vor starken Worten habe. Und so ist zu lesen, dass er Kardinal Meisner als einen "notorischen geistigen Brandstifter" bezeichnete. Kardinal Meisner hatte unter anderem im Herbst 2007 in einer Predigt ausgeführt, dass Kultur, von der Gottesverehrung abgekoppelt, im Ritualismus erstarre und damit entarte. Kramer erhob darauf öffentlich den Vorwurf, dass Meisner durch die Verwendung des Nazijargons in der Form des Wortes "entartet" den braunen Ungeist nun wieder salonfähig mache.
Aber nicht die Nazis, sondern der jüdische Arzt und kulturkritische Schriftsteller Max Nordau, Sohn eines Rabbiners, enger geistiger Begleiter des Begründers des Zionismus Theodor Herzl und Mitbegründer der zionistischen Bewegung, das Wort Entartung in die Kunstszene einführte, als Hitler gerade geboren und ein Nazijargon noch unbekannt war.
Er hatte ein zweibändiges Werk (1892/93) mit "Entartung" betitelt, in dem er sich scharf gegen die Entartung in Kunst, Schrifttum, Musik und Malerei wandte, womit er Anfang des 20. Jahrhunderts eine heftige Diskussion auslöste. Es zeugt von einem Tiefstand des politischen Umgangs, dass schon ein einziges Wort, indem es fälschlicherweise als eine von den Nazis geprägte Begrifflichkeit ausgegeben wird, genügt, seine Persönlichkeit abwertend in die geistige Nähe von Hitler zu rücken. Pikant ist dabei, dass dieser Teil der hitler’schen Gedankenwelt eine prominente jüdische Quelle hat. Eine derartige politische Unkultur ist geeignet, einen "Antisemitismus im neuen Gewand" entstehen zu lassen.
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Autor: Dr. Hans-Joachim Ballstaedt, Freiburg



