Seehofer

Meine Angst vor den Mobs ist weitaus größer

Jeanelle La Motte

Von Jeanelle La Motte (Freiburg)

Sa, 15. September 2018

Leserbriefe

Zu: "Seehofer löst neue Debatte aus", Agenturbeitrag (Politik, 7. September)

Migration sei die Mutter aller Probleme. Diese Behauptung sagt mehr über den Sprecher als über das Problem. Klar, die Migranten fahren so viel in ihren teuren Autos, konsumieren so viel, dass sie die Hauptschuld am Verkehrsinfarkt haben. Die unbezahlbaren Wohnungen? Ja, die sind die Investoren, die teure Luxuswohnungen finanzieren. Und die sind es, die viel herumreisen und sich des Zimmervermittlungsdienstes Airbnb bedienen.

Schuld an der Verarmung? Natürlich die Migranten, denn sie sind die Arbeitgeber, die zeitbefristete Verträge mit ihren Angestellten abschließen, um Tarifabkommen zu unterlaufen. Sozialkosten, die die braven Steuerzahler ungerecht belasten? Wie ist es mit der Steuerhinterziehung, auch bei den (Fußball-)Helden unter uns, mit Staatsdienern, mit der Verschwendung, die immer wieder vom Rechnungshof angemahnt wird? Mit der konsequenten Verfolgung der Briefkastenfirmen in Steueroasen? Oder mit dem Steuersatz der von uns braven Konsumenten geförderten Online-Giganten wie Google und Amazon?

Terroristen, Kriminelle. Sicher, jeder davon ist zu viel. Aber Hand aufs Herz: Waren die Nachrichten über Hamburg bei G7, Chemnitz, gar Staufen, nach denen Deutsche maßgeblich beteiligt waren, Fake News?

Ja, die Migration ist für die Menschen in Deutschland eine riesige Herausforderung. Dennoch: Meine Angst vor den Seehofers und ihren Mobs ist weitaus größer als vor den allermeisten Migranten. Meine Sorge ist, dass die Nöte, die die Lebensqualität stark verringern, ungelöst bleiben. Und dieses Problem ist ungleich akuter als die von Migranten verursachten Probleme.Jeanelle La Motte, Freiburg