Bio-Baumwolle

Saatgut für den ökologischen Anbau sowie Investitionen in Bildung tun not

Gabi Schneider

Von Gabi Schneider (Freiburg)

Fr, 18. Januar 2019

Leserbriefe

Zu: "Bio-Baumwolle ist groß im Kommen", Agenturbeitrag (Wirtschaft, 4. Januar)

Zunächst habe ich mich über die Überschrift Ihres Artikels sehr gefreut, dass Bio-Baumwolle groß im Kommen ist, da ich selber seit über 20 Jahren vorwiegend Bio-Textilien einkaufe. Endlich wird auch das, was Hess Natur, Maas Naturwaren, Waschbär, Livingcraft und einige mehr vorgemacht haben, aufgegriffen und als Vorteil empfunden, für alle Markteilnehmer und Marktteilnehmerinnen. Oder ist es nur Greenwashing? Es ist nämlich der Verdienst der genannten Firmen, dass es Bio-Baumwolle gibt.

Überhaupt sind 90 Prozent inzwischen gentechnisch veränderte Baumwolle, die dank Monsanto (jetzt Bayer) viel Spritzmittel verträgt. Von den restlichen zehn Prozent ist nur ein kleiner Teil biologisch kontrolliert angebaut. Wenn all die Trittbrettfahrer nun endlich Biobaumwolle für sich entdecken, ist es eigentlich zu spät, denn viele tausend indische Bauern sind bereits freiwillig in den Tod gegangen, da sie ihre Darlehen, die sie aufgenommen hatten für das gentechnisch manipulierte Saatgut sowie die dazu gehörigen Spritzmittel, nicht mehr zurückbezahlen konnten. Hätten diese Firmen, die sich einen grünen Anstrich geben wollen, vor 15 Jahren oder noch davor bereits nach Bio-Baumwolle gefragt und die Bauern dazu beraten, gäbe es jetzt eine gute Chance für echte Bio-Ware.

So aber stelle ich mir die Frage, wie denn je wieder auf Feldern ökologisch gewirtschaftet werden kann, wenn die Böden pestizidverseucht sind und sich dort noch Samen aus dem Gentechnikanbau befinden. Dieser Aspekt fehlt in Ihrem Artikel völlig – leider. Ebenso fehlt der Aspekt des fairen Umgangs mit den Anbauern. Mit Schulungen alleine ist es nicht getan. Saatgut für den ökologischen Anbau sowie Investitionen in Bildung und Gesundheitsvorsorge tun ebenso not. Ganz zu schweigen von einer fairen Bezahlung für die Rohware Baumwolle. Nachhaltigkeit ist schlicht zu wenig und bleibt ein Deckmäntelchen. Solches Engagement der Firmen ist nicht ernst zu nehmen. Schade! Gabi Schneider, Freiburg