Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

04. Februar 2012

Kinderkrippen im Land

So kann’s nicht gut werden, auch wenn alle ihr Bestes geben

Zu: "Ein Kind braucht ein ganzes Dorf" und "Ohne Beziehung keine Bildung", BZ-Interview mit der Pädagogin Dorothee Gutknecht von Anita Rüffer (Politik, 27. Januar):

Sicher ist es gut, wenn es möglich wird, viele Krippenplätze für Kleinkinder anzubieten. Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass noch über 7000 Erzieherinnen fehlen, um die Plätze auch einigermaßen gut und pädagogisch sinnvoll zu besetzen, dann kann man heute schon vorhersagen, dass das in den nächsten drei bis vier Jahren nicht möglich ist. Aus beiden Berichten geht klar hervor: Nur gute Krippenplätze von hoher pädagogischer Qualität können eine Bereicherung für die Kinder und die Familie sein. Frau Gutknecht betont ausdrücklich, Kleinkinder "brauchen eine warmherzige Atmosphäre und ausreichend gut qualifizierte Erwachsene, die fähig sind, eine tiefe Beziehung zu den ihnen anvertrauten Kindern einzugehen, ohne Beziehung kann keine Bildung stattfinden". Wenn ich nun aber lese, dass zehn Kleinkinder von einer oder zwei Erzieherinnen betreut werden sollen, so kann das nicht gut werden, selbst wenn die Erzieherinnen ihr Bestes geben.

Daher sollte Eltern die Möglichkeit gegeben werden, dort, wo sie es wünschen und können, ihre Kinder zu Hause zu betreuen, und zwar gegen dasselbe Entgelt, wie es den Kinderplätzen gegeben wird. Leider muss man natürlich auch sehen, dass nicht alle Eltern ihre Kinder so betreuen und pflegen, wie sie sollten, aber auch dieses Problem müsste gelöst werden können.

Werbung


Sicher ist, dass das Angebot an Krippenplätzen für die Kleinkinder nur dann für Eltern und Kinder von Vorteil sein wird, wenn eine optimale Betreuung möglich ist, das heißt bei qualifizierten Erzieherinnen (wobei diese auch entsprechend besoldet werden sollten) und einer möglichst niedrigen Anzahl von Kleinkindern in der Gruppe. Gemeinden sollten also nicht nur eine möglichst große Zahl an Krippenplätzen bereitstellen, sondern auch für entsprechend qualifizierte Erzieherinnen sorgen, sonst ist der Schaden für Kinder und Eltern größer als der Nutzen.

Autor: Karl Harter, Hinterzarten