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04. Februar 2012

Erbliche Intelligenz

Verdorrten Pflanzen nützt auch Regen nichts

Zu: "Drei Viertel und ein Viertel", Beitrag von Harald Loch (Kultur, 18. Januar):

Bereits 1983 hat Anne Anastasi, der "Test-Guru" in den USA, konstatiert, dass die Frage nach der Vererbung der Intelligenz eine falsch gestellte Frage ist. Man könnte aus heutiger Sicht sagen, es ist eine Frage, die nur falsche Antworten ermöglicht.

Die Faustregel " ¾ + ¼" ist vergleichbar der Konstatierung, dass das Blühen meiner Blumen zu drei Vierteln von der Sorte und zu einem Viertel vom Wetter abhängt. In beiden Fällen sind beide Faktoren(-gruppen) zu 100 Prozent bedeutsam, denn ohne Regen gibt es nur verdorrte Pflanzen, und verdorrten Pflanzen nützt der beste Regen nichts. Ein einziger Hagelsturm vernichtet die gesamte Ernte.

Migration ist oft ein solcher Hagelsturm. Eine gute Ernte setzt die Passung aller Faktoren voraus, und wenn wir mit unserem, auf die deutsche Mittelschicht ausgerichteten Schulsystem nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen, so können wir daraus schließen, dass die Migrantenkinder "dumm" sind oder dass unsere Fördermethoden ihrer Situation nicht angemessen sind – so, wie sie übrigens auch den deutschen Jungen nicht in der Weise angemessen sind wie den deutschen Mädchen, denn die schneiden durchweg besser ab, ohne dass jemand auf die Idee käme, den Mädchen eine höhere Intelligenz zuzuerkennen!

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Autor: Prof. Dr. Wolfgang Roth, Freiburg