Was für ein männerfeindlicher Artikel

Michael Köllner, Freiburg

Von Michael Köllner & Freiburg

Mo, 19. Juni 2017

Leserbriefe

Ein sprachlich undifferenzierter und, wie so oft zu erleben, männerfeindlicher Artikel, der mich zutiefst verärgert. Zementiert er mal wieder die jahrzehntelange Tendenz, Männer schlecht zu reden, und das Testosteron dient wieder als Totschlagargument. Frauen als Opfer der Männer (Sie sagen mit Ihrem Artikel: aller Männer) jetzt auch in den Bussen und Bahnen. Es mag ja sein, dass manche männlichen Zeitgenossen sich breitbeinig hinsetzen, was sicher nicht die feine Art ist. Aber über zwei oder drei Sitzgelegenheiten? Hallo? Schon ’mal was von männlicher Anatomie gesehen?

Keine Erwähnung, dass jedes Hormon unzählige Funktionen hat, sodass Ärzte und Wissenschaftler enorm vorsichtig sind mit Äußerungen dazu, was sie genau bewirken. Und natürlich sind Männer im Allgemeinen nicht in der Lage, Herr ihrer Hormone zu sein. Wie schön, wie einfach! Kein Wort dazu, dass die Anzahl von männlichen Opfern sexualisierter Gewalt ungleich höher sein dürfte als bekannt, da Graubereich und Dunkelziffer vorhanden. Ebenso die (sexualisierte) Gewalt von Frauen an Männern – kein Thema.

Und immer wieder schreibt die Autorin von "Männern", nicht manche oder ein paar. Nein, ganz pauschal: Männer! Männer erachten es also nach ihrer Auffassung nicht als selbstverständlich, sich in der Öffentlichkeit rücksichtsvoll zu verhalten – da bin ich wohl eine Ausnahme oder habe zu wenig Testosteron oder eher mehr vom "guten", weiblichen Östrogen?). Man(n) sollte Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen die Türe aufhalten....Dieser Artikel ist trotz berechtigter Kritik an manchen breitbeinig sitzenden Männern pauschalisierend und herabwürdigend. Was immer die Autorin an Wut auf Männer haben mag – ich denke das angesichts des Satzes: "Ist es eine Gegenreaktion darauf, dass sie mit erniedrigenden öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein müssen anstatt im testosterongetriebenen Auto?"; wieviel Verachtung schwingt da mit? – in einer Zeitung wie der BZ ist das einfach daneben! Michael Köllner, Freiburg

Eine hervorragende Kolumne von Carolin Buchheim über das "Gemächt". Habe selten so gelacht, obwohl es sich um ein mehr als relevantes Thema handelt. Durch den heutigen Zeitgeist wurde alles oberflächlicher, die Umgangsformen, die Kleiderordnung, die Sprache oder die Kommunikation. Alles der Rationalität, Effektivität und dem Profit gezollt.
Helmut Lang, Bad Krozingen