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25. Februar 2012

Krankheitserreger auf der Frühchenstation

Wer einen hohen Standard fordert, muss bereit sein, dafür zu bezahlen

Zu: "Krankheitskeim im Nachbarbett", Beitrag von Michael Brendler (Land und Region, 16. Februar):

In Ihrem Artikel erwecken Sie leider den Eindruck, als wäre hier wieder einmal die Ignoranz und Nachlässigkeit des medizinischen Personals veranwortlich für Fehler in der Patientenbetreuung. Was Sie aber genau wissen, erwähnen Sie nur am Rande: dass diese Entwicklung Folge der rastlosen Sparanstrengungen unserer Politiker und in deren Folge der Kostenträger sind. Jährlich bekommen die Kliniken Budgeterhöhungen zwischen ein und zwei Prozent, denen Gehaltsforderungen der Gewerkschaft von vier bis sechs Prozent gegenüberstehen. Jedem mittelmäßig begabten Menschen ist klar, dass das in einem Betrieb, dessen Kosten zu 70 Prozent Personalkosten sind, nur über Personaleinsparungen möglich ist. Da aber Manager, Stabsstelleninhaber, Kostenkontroller, Auditverantwortliche und was sich sonst so noch alles in Krankenhausverwaltungen tummelt, unersetzlich sind, wird eben das medizinische Personal ausgedünnt. Und wenn eine Pflegekraft dann statt für zwei oder drei für fünf oder mehr Patienten verantwortlich ist, kann sie einfach die sehr vernünftigen, aber zeitraubenden Hygieneanforderungen nicht mehr erfüllen. Wenn wir hohe Standards fordern, muss die Gemeinschaft auch bereit sein, diese zu bezahlen. Wir werden infolge der 50 Kostendämpfungsgesetze der letzten 40 Jahre noch ganz andere "Katastrophen" schlucken müssen.

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Autor: Dr. Volkmar Gottschall, Lörrach