Diesel-Autos

Wir brauchen Tatortreiniger, keine Dampfplauderer

Gerhard Rosner

Von Gerhard Rosner (Freiburg)

Mo, 11. Februar 2019 um 11:25 Uhr

Leserbriefe

Zu: "Ein vergiftetes Gemisch", Leitartikel von Franz Schmider (Politik, 25. Januar)

Der Leitartikel hat der vergifteten Diskussion um Diesel, Stickoxide und Fahrverbote einen sachlichen und ausgewogenen Kommentar entgegengestellt. Inzwischen hat diese Diskussion absurde Ausmaße angenommen. Nachdem eine kleine Gruppe von Lungenfachärzten den Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) anzweifelte, widersprach jetzt das Forum der Internationalen Lungengesellschaften und stimmte dem geltenden EU-Grenzwert nachdrücklich zu.

Ruhe im dieselabgasgeschwängerten Karton ist damit leider nicht. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) betätigt sich als Dampfplauderer, wie man in Bayern sagt, und zieht die geltenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid in Städten in Zweifel. Natürlich ist verständlich, dass Fahrer von Diesel-Pkw sauer sind angesichts drohender Fahrverbote. Aber gemach, gemach: Nicht die Grenzwerte sind Schuld an dieser Problematik und auch nicht die Fahrer von Diesel-Pkw, sondern die mittels betrügerischer Software und Tricks bei der Abgasmessung verhinderte Reduzierung von Luftschadstoffen, gedeckt von willfährigen Politikern. Die Forderung nach Überprüfung der Grenzwerte ist Ausdruck purer Hilflosigkeit. Die EU-Kommission selbst überprüft die EU-Vorschriften sowieso von Zeit zu Zeit. Und: Aufgrund der heutigen sehr umfangreichen Datengrundlage muss der Grenzwert für Stickstoffdioxid eher noch verschärft werden.

Mein Fazit: Es sind intelligentere Maßnahmen erforderlich als die populistische Forderung nach dem Revidieren von Grenzwerten. Dafür brauchen wir Tatortreiniger, nicht nur Dampfplauderer. Dies gilt selbstredend auch für den Klimaschutz. Gerhard Rosner, Freiburg