Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit

Wir erledigen Aufgaben, die der Staat verweigert

Peter Aly, Umkirch

Von Peter Aly & Umkirch

Mo, 19. Juni 2017

Leserbriefe

Zu: "SPD fordert mehr Unterstützung für Helfer", Agenturbeitrag (Land und Region, 13. Juni):

Ja, wir ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer benötigen mehr Hilfe für unsere auf Jahre hin notwendige Arbeit mit unseren Neubürgern. Ohne uns würde ihre Integration in vielen Fällen scheitern.

Es ist sicher sehr schwierig, uns unsere Kosten sachgemäß zu erstatten. Was aber machbar und unbedingt notwendig wäre, sind Übersetzer für die zahlreichen Amtsgänge mit den Flüchtlingen. Hier wären sogar Jobs für andere Flüchtlinge zu schaffen. Bisher verlangen die Behörden, dass wir oder die Flüchtlinge Übersetzer mitbringen – einfach eine Zumutung und Erschwernis unserer Arbeit. Ein Beispiel: Das Jobcenter hat keine Übersetzer, was dazu führt, dass Flüchtlinge Dokumente unterschreiben müssen, deren Inhalte sie nicht verstehen. Geringe, gerade erworbene Deutschkenntnisse helfen ihnen da nicht weiter.

Jetzt werden Hunderte von Integrationsmanagern und Integrationsbeauftragten (Koordinatoren) eingestellt, die meist keine Ahnung von der praktischen Arbeit mit Flüchtlingen haben. Diese stellen zwar allgemeine Hilfen wie Supervision und Erfahrungsaustausch zur Verfügung. Eine Entlastung für uns Helfer stellen sie aber nicht dar, da sie uns bei der Arbeit nicht helfen (dürfen?). Viele Helfer verzweifeln inzwischen an den bürokratischen Hürden, der langen Dauer ihres Engagements und der fehlenden Unterstützung für ihre Arbeit. Wir werden uns immer mehr bewusst, dass wir Aufgaben erledigen, die der Staat verweigert zu tun. So schaffen wir das nicht, hunderttausende Menschen in unsere Gesellschaft einzugliedern. Peter Aly, Umkirch