Grundgesetz

Wo soll in Zukunft die Grenze gezogen werden?

Ulrich Wössner, Weil-Haltingen

Von Ulrich Wössner & Weil-Haltingen

Mi, 14. März 2018

Leserbriefe

Zu: "Deutsch-Antrag der AfD scheitert", Agenturbeitrag (Politik, 3. März)

Die deutsche Sprache als verbindlich im Grundgesetz festschreiben? Ja, gut. Aber woraus besteht die "deutsche" Sprache? Unter anderem doch auch aus Worten, die wir Deutschsprechende offenbar täglich selbstverständlich im Munde führen, zum Beispiel Partei, Person, Justiz, Republik, Alternative, Parlament, Demokratie, Fabrik, Konzert, Traktor, Museum, Ampel, Name, Automobil, Maschine, Technik, Fenster, Tee, Kaffee, Bibel, Interesse, Schule, Klasse, Engel, Kammer, Telefon, Doktor, Professor, September, Dezember, logisch ...

Blättern wir im Duden oder einem etymologischen Wörterbuch, wird klar, dass vieles in unserem offenbar deutschen Wortschatz aus fremden Sprachen stammt, eingedeutscht, wie es so vereinnahmend aber unehrlich heißt, und ohne die wir uns nicht mehr verständigen könnten.

Wo soll in Zukunft eine Grenze gezogen werden, was – etwa aus dem Englischen – nicht mehr integriert werden darf, und wer soll sie ziehen und mit welchem Recht? Sollen wir dann statt "cool" kühl oder kalt sagen müssen?

Und übrigens: Wenn im Grundgesetz stehen soll: "Die Sprache in Deutschland ist deutsch", sollte auch hinzugefügt werden: "Geschrieben wird deutsch in lateinischen Buchstaben" und "Für Ziffern werden die arabischen Zeichen verwendet."

Ulrich Wössner, Weil-Haltingen