Bauantrag fürs Kreuz-Areal steht

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Fr, 31. August 2018

Meißenheim

Das Gelände des ehemaligen Gasthauses Kreuz in Kürzell kann jetzt mit drei Wohnhäusern bebaut werden .

MEISSENHEIM-KÜRZELL. Noch ist beim ehemaligen Gasthaus Kreuz nichts passiert. Doch es könnte gut sein, dass noch in diesem Jahr der Bagger anrollt und das alte Gebäude abreißt. Auf dem Areal ist eine Bebauung mit drei Wohnhäusern mit jeweils sechs Wohnungen geplant. "Der Bauantrag ist vor wenigen Tagen eingegangen", bestätigt Franziska Reiff vom Bauamt. Das Landratsamt habe die Bauvoranfrage geprüft und die Bebauung für genehmigungsfähig befunden.

Jetzt kann das Verfahren seinen Gang gehen. Kürzells Ortsvorsteher Hugo Wingert hat für den 10. September noch in den Sommerferien eine öffentliche Sitzung des Ortschaftsrates angesetzt. Damit kann das Gremium den Bauantrag beraten, bevor er am 17. September in der ersten Sitzung des Gemeinderates nach den Ferien auf der Tagesordnung steht.

Franziska Reiff hat den Bauantrag noch nicht genau geprüft, meint aber, dass es nach einem ersten oberflächlichen Blick zu keinen größeren Veränderungen gegenüber der Bauvoranfrage gekommen sei. Die war Anfang 2017 eingegangen.

Zwei Investoren als Bauherren

Die Bauvoranfrage war im Januar 2017 im Rat behandelt und befürwortend an das Landratsamt weitergeleitet worden. Die Voranfrage sah vor, auf dem 2800 Quadratmeter großen Grundstück drei Häuser zu erstellen mit jeweils sechs Wohnungen, geplant zweigeschossig mit Satteldach. Je Wohnung sind 1,5 Stellplätze vorgesehen, insgesamt also 27. Der Ortschaftsrat hatte allerdings zwei Stellplätze je Wohneinheit gefordert. Die Gemeinde hatte in ihrer Stellungnahme gebeten, die Frage der Stellplätze zu prüfen und auch, ob nicht drei Wohngebäude zu viel für das Gelände seien.

Die Bauvoranfrage hatte eine Firma aus Ettenheim gestellt. Auf die Frage, ob die Firma auch den jetzigen Bauantrag eingereicht habe, antwortet Franziska Reiff ausweichend und verweist darauf, dass sie den Investor nicht namentlich nennen darf. Diese Antwort kommt auch vom Ortsvorsteher: "Wir dürfen das aus Datenschutzgründen nicht sagen." Immerhin so viel kann er sagen: Das Grundstück sei anscheinend geteilt und ein Teil verkauft worden. Ein Investor baut zwei Häuser, ein zweiter Investor ein Haus. Um die Pläne so verwirklichen zu können, muss das ehemalige Gasthaus Kreuz, ein heimatgeschichtlich bedeutendes Gebäude, auf jeden Fall abgerissen werden. Das Gasthaus ist untrennbar mit dem ehemaligen Wirt Johann Georg Pfaff verbunden. Es hat im Gastraum und im sogenannten Postzimmer einzigartige Wand- und Deckenmalereien. Jedoch ist die Bausubstanz so marode, dass auch das Denkmalamt schon vor einigen Jahren zu der Einschätzung kam, dass ein Erhalt einen unverhältnismäßig hohen Aufwand bedeuten würde und es zum Abriss freigab.

Pfaff hatte das Gasthaus im französischen Revolutionsjahr 1789 mit seiner Ehefrau Katharina Sandhaas übernommen. Um die Jahrhundertwende half er trickreich den mit Baden verbündeten Preußen und Österreichern im Kampf gegen plündernde französische Heere und schützte so Kürzell. Die nicht datierten Wandbilder und die dazugehörigen Sprüche spiegeln dagegen statt der schweren Zeiten eher die irdischen Freuden von Wein, Weib und Gesang wider.