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14. August 2008

MENSCHEN VON HIER: Chinesisch lernen kann so einfach sein

BZ-PORTRÄT: Wen Mao-Eberbach aus China hat in Bad Krozingen eine neue Heimat und eine neue Aufgabe gefunden.

BAD KROZINGEN. "Trotz meines Deutschstudiums in Schanghai hatte ich nicht mehr geglaubt, jemals die deutsche Sprache zu beherrschen." Doch heute sitzt Wen Mao-Eberbach vor ihrem Haus in Bad Krozingen und erzählt in fließendem Deutsch von ihrem Leben. Ein Blick durch die verglaste Verandatür zeigt eine Wohnung voll von chinesischem Porzellan und Kalligraphien. Wen Mao-Eberbach leitet die Chinesisch-Arbeitsgruppe am Faust-Gymnasium in Staufen und organisiert mit ihrem Mann Austauschprogramme nach Schanghai. Zuletzt schrieb sie zwei Chinesischlehrbücher.

Die 54-Jährige erinnert sich lebhaft, wie schwer es für sie war, Deutsch zu lernen. Wen ist in Wuhan, in der östlichen Provinz Hubei, aufgewachsen. In Deutschland lebe sie ganz anders als damals, viel disziplinierter. Sie habe sich angepasst, stehe jeden Morgen zur gleichen Zeit auf und übe täglich Klavier. Es regt sie immer noch auf, wenn sie aus den Jahren um 1970, der Zeit der Kulturrevolution erzählt. Zwei Jahre musste sie wie viele andere Jugendliche auf den Reisfeldern arbeiten. Als ihr Großvater starb, stellte sie der Staat vor die Wahl: Sie konnte entweder zur Trauerfeier nach Hause gehen oder auf den Reisfeldern bleiben, Parteimitglied werden und sich damit ihren großen Traum erfüllen – das Studium an der Universität. Wen entschied sich fürs Studium: "Mir wurde mitgeteilt, dass ich Deutsch studieren würde, das wollte ich ja. Und mein Opa war ja schon tot, da konnte man nichts mehr ändern." Doch das Studium war nicht so, wie Wen es sich vorgestellt hatte. Nach drei Jahren konnte sie nicht einmal das deutsche Alphabet. "Ständig wurde uns vorgeworfen, wir wären nur am Lernen interessiert."Aus Angst, als politisch unzuverlässig bezeichnet zu werden, habe sie sich nicht aufs Lernen konzentrieren können.

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Als Reiseleiterin lernte sie ihren Mann kennen

Wens Staufener Schüler sollen schneller vorankommen. Sie schrieb zwei praxisnahe Lehrbücher und ersparte ihnen durch selbst aufgestellte Formeln das mühsame Erlernen der chinesischen Grammatik. "Die Schüler können mit Hilfe meines neuen Systems nach spätestens zwei Jahren chinesisch lesen. Das hat bisher noch keine Schule geschafft", berichtet Wen stolz.

Nach dem Studium teilte der Staat ihr mit, dass sie als Lehrkraft in einem, wie Wen es bezeichnet, gottverlassenen Gebirgsdorf arbeiten soll. "Dort hätte ich alles vergessen können. Ich verstand nicht, womit ich das verdient haben sollte." Kontakte ihres Vaters halfen, ihr dieses Schicksal zu ersparen. Sie blieb in Wuhan und betreute 1981 die Reisegruppe, mit der Jürgen Eberbach unterwegs war. Wen verliebte sich sofort in den damals 31-Jährigen. "Ich fand ihn einfach nur unheimlich hübsch." Als Wen ein Stipendium in München bekam, trafen sie sich wieder und heirateten.

Im deutschen wie im chinesischen Umfeld des Paares hatte es viele Vorbehalte gegeben. Wen hat das enttäuscht. Sie hatte gedacht, die Europäer würden es schön finden, dass sie sich so schnell integriert hatte. Die Eberbachs verbrachten nach der Heirat sechs Jahre in Japan, wo Jürgen Eberbach an einer Schule unterrichtete. Erst 2001 kehrten sie zurück. Mit Eltern und Geschwistern telefoniere sie jede Woche. "Ich bin seit 25 Jahren immer nur für ein paar Wochen in China gewesen. Ich kann kein realistisches Bild des Landes mehr geben." Trotzdem ist sie sich sicher, dass die negative Berichterstattung ein völlig falsches Bild des Landes liefere.

Autor: Barbara Held