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26. Februar 2015

Auch Kommunen sind in der Pflicht

SPD lud zu Themenabend über das geänderte Nachtbussystem.

  1. Nachts mit dem Bus unterwegs – das kostet je nach Reiseziel viel Zeit. Foto: julius steckmeister

MERDINGEN/IHRINGEN/UMKIRCH Zu teuer, zu lange, zu selten. Besonders aus den Tunibergdörfern, aber auch aus Ihringen, Umkirch und Breisach hagelte es Kritik am neuen Nachtbuskonzept, das mit dem Dauerbetrieb der Freiburger Straßenbahnen an den Wochenenden Mitte Dezember 2014 an den Start gegangen war. In einem Schreiben hatte der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende, Oswald Prucker, der auch im Merdinger Gemeinderat sitzt, diesen Unmut kundgetan.

Von "Verlierergemeinden" im Umland, einem Vorgehen der Stadt Freiburg nach "Gutsherrenart" und von einem "dramatisch verschlechterten Angebot" für mehr Geld war in Pruckers Stellungnahme zu lesen, die zusammen mit den SPD-Ortsvereinen Ihringen, Merdingen und Umkirch entstanden war. Dies wiederum war nicht nur bei der VAG, sondern auch bei den Freiburger Sozialdemokraten auf Kritik gestoßen. In einer öffentlichen Fraktionssitzung des SPD-Kreisverbands suchten die Genossen aus dem Landkreis nun das Gespräch mit den Freiburger Sozialdemokraten in Person des dortigen Kreisvorstandes Julien Bender und der Freiburger Verkehrs AG (VAG), die durch Bereichsleiter Oliver Benz vertreten wurde.

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"Ich würd’s nicht mehr so schreiben", sagte Oswald Prucker gleich zu Beginn der Veranstaltung. Inzwischen habe er Gespräche mit der VAG und dem für die Nachtbuslinien N 46 "Haid-Breisach" und N 47 "Paduaallee-Ihringen" zuständigen Busunternehmen, Tuniberg Express aus Merdingen, geführt. Aus Sicht des Busunternehmens gestaltete sich die Nachtbusversorgung aufgrund rückläufiger Fahrgastzahlen seit geraumer Zeit kaum noch rentabel, berichtete Prucker.

Mit Einführen des neuen Systems seien aber nochmals dramatisch weniger Nutzer in die Nachtbusse gestiegen. Der Preis von insgesamt bis zu 6,20 Euro – 2,20 Euro für die Fahrt mit der Straßenbahn zu jeweiligen Endhaltestelle und vier Euro für das Sammeltaxi oder eben den Nachtbus – sei manchen potenziellen Fahrgästen zu hoch. Aber insbesondere an den langen Fahrtzeiten, die durch die verschlungene Linienführung entstünden, würden sich die Nachtschwärmer stören, so Prucker über die Rückmeldung von Jugendlichen.

Viele wünschten sich zudem den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) als Abfahrtsort für die Nachtbusse zurück. Aus Lärmschutzgründen für die Freiburger Stadtbewohner fahren die Nachtbusse nun aber an Endhaltestellen der Tramlinien ab. "So wird das Angebot sterben", befürchtet Prucker. Statt die Hauptschuld bei der VAG und der Stadt zu suchen, richtete Prucker das Augenmerk verstärkt auf Landkreis und Kommunen. "Eventuell haben die Bürgermeister ein zu geringes Interesse an der Nachbusversorgung", stellte er in den Raum.

"Eigentlich ist unsere Verantwortung an der Stadtgrenze am Ende", erläuterte VAG-Unternehmensbereichsleiter Angebot und Betrieb, Oliver Benz. Die Umlandgemeinden anzubinden wäre Aufgabe des Landkreises. Allerdings habe sein Unternehmen vor rund 20 Jahren, als das Nachtbuskonzept entstanden war, eine "koordinierende Funktion" übernommen. "Wir wollen die gute Zusammenarbeit zwischen Freiburg und den Gemeinden auch jetzt weiter aufrechterhalten," betonte Benz.

Die Kritik, die fast ausschließlich aus den Tuniberggemeinden kam, kann Benz nur teilweise nachvollziehen. Zudem aus Gemeinden, die mit dem Sammeltaxi bedient werden, "keine negativen Meldungen kamen", wie Gisela Schöpflin vom SPD-Ortsverein Eichstetten für ihren Wohnort ergänzte. Schöpflin, die auch im VAG-Fahrgastbeirat sitzt, begrüßte im Gegenteil die Neuerung, nun an der Endhaltestelle Moosweiher von der Straßenbahn direkt ins Taxi steigen zu können, statt den nachts gerade für Frauen unangenehmen Weg von der Innenstadt zum ZOB laufen zu müssen, um dann im Nachtbus bis zu einem Umsteigepunkt ins Taxi fahren zu müssen.

Ja, der letzte Nachtbus um 4.44 Uhr sei gestrichen worden, so Benz weiter. Dieser sei jedoch kaum noch genutzt worden. Was die Preiserhöhung betrifft, sei diese kaum so dramatisch, wie es dargestellt würde. "Zuletzt wurde der Preis für den Safer Traffic 2008 auf 2,50 Euro erhöht. Eine Preiserhöhung von 1,50 Euro nach sieben Jahren bringt für das Busunternehmen gerade mal eine schwarze Null", so Benz. Was die Straßenbahn anginge, seien über 80 Prozent der Fahrgäste Zeitkarteninhaber, so dass die 2,20 für einen Einzelfahrschein für die Tram gar nicht anfielen. "Und", hebt Benz hervor, "der ÖPNV funktioniert nach dem Solidarprinzip." Wer selten fährt, müsse eben verhältnismäßig mehr bezahlen.

Die jeweiligen Abgaben der Gemeinden für die Nachtbusversorgung – im Falle von Umkirch wurde von der Gemeinde für rund 1000 Nachtbusnutzer eine Jahrespauschale von gerade einmal 1850 Euro erhoben – bewegen sich am unteren Rand. Mehr Geld wenden da die Gemeinden auf, die über Sammeltaxis bedient werden. Ihr Zuschuss liegt pro Fahrgast deutlich über 4 Euro.

Allerdings sieht auch das Verkehrsunternehmen Schwachstellen im neuen System, schon wegen der seit Jahresbeginn nochmals stark geschrumpften Fahrgastzahlen. "Zusammen mit der Firma Tuniberg Express wird eine Lösung gesucht, die den Anforderungen der Fahrgäste entspricht", verspricht Oliver Benz. Sowohl die zeitaufwendige Linienführung als auch der Abfahrtsort stünden erneut zur Diskussion, lässt er durchblicken.

Autor: Julius Steckmeister