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30. Dezember 2011
Das wahre Leben vor den Toren der Stadt
BZ-SERIE: Die Merdinger Krippe vermittelt eine Botschaft.
BREISGAU. Egal wie unterschiedlich sie auch sind – Jesuskind, Maria, Josef, Ochs und Esel gehören zu jeder Krippe. In der Serie "Weihnachtszeit – Krippenzeit" stellt die Breisgau-Redaktion Krippen in Kirchen und Wohnzimmern im Freiburger Umland vor. Heute: die Krippe in der katholischen Kirche St. Remigius in Merdingen.
Mit ihren lichten Farben, die nach der gründlichen Renovierung Ende des vergangenen Jahrzehnts jede schwere Schwülstigkeit abgelegt haben, ist die Merdinger Kirche St. Remigius gerade auch an Wintertagen einen Besuch wert. Die barocke Pracht, besonders der mit viel Stuck eingefassten Deckenausmalung, ist hier hell und leicht und vertreibt die langen Schatten dunkler Wintertage.
Ganz im Kontrast dazu wirkt die hier über die Weihnachtszeit aufgebaute Krippe. Das dunkle Braun ihres Stalles, dazu das Grün des ausgelegten Mooses und der sie fast wie ein Baldachin umrahmenden Tannenzweige sorgt für eine sehr erdverbundene Szenerie. Die hier, auf dem linken, der Gottesmutter geweihten Seitenaltar aufgebaute Krippe auch nah bei den Menschen. Die Heilige Familie aus kleinen, fein gearbeiteten Figuren ist nicht entrückt; die beiden Hirten, die dem Stall zustreben, müssen dazu keine Stufen überwinden. Ihr einfaches Dasein findet auf gleicher Ebene statt wie das des heiligen Paares und des neugeborenen Knaben.
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Doch die Merdinger Krippe erzählt noch mehr. Über dem aus groben Rindenstücken gebildeten Hintergrund, der eine Felsenlandschaft darstellt, erhebt sich eine helle, fast leuchtende orientalische Stadtkulisse. Im Vordergrund als Relief, nach hinten als Gemälde ausgeführt, zeigt sich hier die Stadt Davids, Betlehem. Sie wirkt seltsam entrückt, auch, weil der sie gestaltende Künstler keine Menschenseele dargestellt hat, nur die Mauern und die Fronten der Häuser. Und in ihnen fand sich ja, wie es das Evangelium und die Legenden berichten, kein Platz für die Heilige Familie. Dass hier, in der Stadt, der Ankunft des Erlösers die kalte Schulter gezeigt wurde, das führt der Merdinger Krippenaufbau bildhaft vor Augen.
Über der Stadt ist noch eine dem Horizont zustrebende Berg- und Seekulisse ausgemalt, auch sie wirkt kalt und starr. Das Leben also konzentriert sich ganz auf das Geschehen um die Krippe im Stall. Die Merdinger Krippe verzichtet auch auf jedes Beiwerk von Engeln und Putten. Einzig ein rot leuchtender Weihnachtsstern vor dem Himmel über der Berg- und Seenlandschaft verweist auf die besondere Dimension des Geschehens.
Die Krippe wird kurz vor Heiligabend vom Pfarrgemeinderat aufgebaut. "Wir sind zwei Gruppen, eine für die Bäume, die andere für die Krippe" erzählt Josef Hintereck, der Vorsitzende. Er hat noch gut in Erinnerung, wie die Krippe in ihrer heutigen Form in den 50er Jahren vom damaligen Lehrer des Werkunterrichts an der alten Schule, Hansjörg Gwinner, gestaltet wurde. Da der Altar nur eine geringe Tiefe bot, kam er wohl auf die Idee, mit dem Relief der Stadt und dem Gemälde die Darstellung in die Höhe zu führen.
In den 80er Jahren war die Krippe anders gestaltet, da der damalige Pfarrer große Figuren benutzte. Doch mit Pfarrer Siegfried Bliestle kehrte man – zur Freude der meisten Kirchenbesucher, wie Hintereck versichert – zur alten Krippendarstellung zurück. Ein Maler aus Oberrimsingen frischte 1992 das Hintergrundbild und die Stadtkulisse auf. Und Pfarrer Bliestle selbst war es, der den roten Weihnachtsstern bastelte. Auch der heutige Pfarrer, Josef Moosmann, nimmt Anteil – er stiftet immer nach dem Aufbau ein Vesper, erzählt Josef Hintereck. Für ihn ist das gemeinsame Aufbauen der Krippe auch jetzt, nach so vielen Jahren, immer ein besonderer Tag, "da spüre ich dann, dass jetzt Weihnachten kommt". Seine Frau Maria richtet für den Blumenschmuck. Das frühzeitige Sammeln von Moos, das ja noch einige Tage trocknen muss, besorgt Mesner Siegfried Glöckler. "Es ist ein schönes Teamerlebnis" schildet Hintereck. Es sind viele Hände gefragt, wenn die Weihnachtsbäume aufgebaut werden, die wie die das Krippenbild umrahmenden Tannenzweige aus dem Elztal kommen.
Am 6. Januar ändert sich die Krippenszene, dann werden die Figuren der Heiligen Drei Könige dazugestellt. Nur wenige Tage später schon kommen sie, wie die ganze Krippe, verpackt in die Pfarrscheune – bis es wieder Weihnachten wird.
Autor: Manfred Frietsch


