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27. Januar 2014 17:50 Uhr

"Ein Traum, der in Erfüllung geht"

  1. Überrascht vom schnellen Sieg: Martin Rupp (vorne Zweiter von rechts) Foto: Mario Schöneberg

  2. Gratulation von der Feuerwehr Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

  3. Präsent von Breisachs Bürgermeister Oliver Rein Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

  4. Beim Badnerlied: Florian Fringer und Peter Thommes (hinten von rechts) können schon wieder lachen. Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

  5. Die Festhalle am Wahlabend Foto: Mario Schöneberg

  6. Kurze Dankansprache von Martin Rupp Foto: Mario Schöneberg

  7. Die Amtskollegen Oliver Rein (links) und Dieter Schneckenburger aus Bötzingen gratulieren. Foto: Mario Schöneberg

  8. Kurz nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses Foto: Mario Schöneberg

MERDINGEN. Die Wahl von Martin Rupp zum neuen Bürgermeister von Merdingen bleibt das beherrschende Thema in der Tuniberggemeinde. Am Wahlabend und am Tag danach gab es viele Reaktionen auf dieses Ergebnis. Sein Sieg im ersten Wahlgang kam für den 29-jährigen Politologen aus Weil am Rhein-Ötlingen offensichtlich ebenso überraschend wie für die meisten Merdinger und ihre Gäste, die zur Wahlparty in die Festhalle gekommen waren. Zugleich steigt nun die Spannung, wie sich die Arbeit mit dem neuen Gemeindeoberhaupt, von dem noch wenig bekannt ist, anlassen wird.

"Wir sind uns sicher, dass für Sie ein Traum in Erfüllung geht", hieß es vom Musikverein an Martin Rupp gerichtet, als nach dem Badnerlied, bei dem Aufstehen und Hand auf´s Herz angesagt waren, der "Böhmische Traum" angestimmt wurde. Später entrichtete auch der Männerchor noch musikalische Grüße an den Sieger. Rupp war anzumerken, dass er mit so einem unvermittelten Tritt ins Rampenlicht, für das 53 Prozent der Wähler gesorgt hatten, nicht gerechnet hatte. Am Nachmittag hatten sich seine Eltern zum ersten Mal in Merdingen umgesehen und waren sehr angetan. "Uns gefallen die schönen Gassen, das ist noch ein richtiges Dorf" schwärmte Annemarie Rupp, die aber mit Ehemann Klaus noch vor Schließung des Wahllokals die Rückreise ins heimische Ötlingen, den ebenfalls dörflich geprägten Winzerstadtteil von Weil am Rhein, angetreten hatte. "Wir haben ja fest mit einem zweiten Wahlgang gerechnet", erklärte Annemarie Rupp.

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"Das wird heute keine Entscheidung geben bei vier starken Kandidaten", war sich noch kurz vor 19 Uhr auch Niederrimsingens Ortsvorsteher Wendelin Hintereck sicher. "Ich habe auf einen zweiten Wahlgang gehofft. Mit so einem Ergebnis habe ich nicht gerechnet", so der von seinen 17,9 Prozent sichtlich enttäuschte Mitbewerber Peter Thommes. "Ich habe viel Präsenz im Ort gezeigt und viel mit den Leuten gesprochen", resümierte er.

"Ich hatte drei tolle Wochen. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen", sagt Jürgen Schmidt. Der Friseurmeister aus Au konnte gerade einmal 32 Merdinger, 2,2 Prozent der Wähler, von seinen Qualitäten als Gemeindeoberhaupt überzeugen. Florian Fringer, mit 25,2 Prozent nur zweiter Sieger, nahm das Ergebnis gelassen. "Ich habe nichts verloren, ich habe hier einiges dazugelernt", meinte der gebürtige Merdinger.

Von einem zweiten Wahlgang war auch Bötzingens Bürgermeister Dieter Schneckenburger ausgegangen. "Bürgerkontakt" lautet sein Tipp für den Berufsanfänger. "Ich war überzeugt, dass es im ersten Wahlgang ausgeht", sagte hingegen Breisachs Stadtoberhaupt Oliver Rein. "Es ging nur zwischen Fringer und Rupp, beide sind passend für Merdingen, das ist jetzt eine gute Entscheidung", ist Rein überzeugt, der selbst erst Anfang 30 war, als er zum Bürgermeister der Europastadt gewählt wurde. "Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit, denn Breisach und Merdingen hängen eng zusammen. Martin Rupp muss den Sieg jetzt verdauen, dann geht´ s los", so Rein, der es sich nicht nehmen ließ, dem Sieger von der Bühne aus zu gratulieren und ihm eine große Flasche Wein zu überreichen.

"Bei Bürgermeisterwahlen überrascht mich nichts mehr, ich habe schon so viel erlebt", gab sich Michael Baumann, ehemaliger Merdinger Hauptamtsleiter und seit 7. Januar selbst Bürgermeister von Weisweil, abgeklärt. Überrascht hingegen zeigten sich Eva Kunzelmann und Dominik Schopp von der Landjugend. Mit einem Ergebnis im ersten Wahlgang hatte auch bei den jungen Merdingern kaum einer gerechnet. "Wir sind gespannt auf die nächsten acht Jahre. Vom neuen Bürgermeister erwarten wir, dass er, wie versprochen, die Jugend mehr ins politische Geschehen einbezieht", sagen die beiden aus dem LaJu-Vorstandsteam.

Froh, dass die Wahlbeteiligung mit fast 70 Prozent "doch noch so hoch wurde" ist Wilma Landmann, Vorsitzende der Freien Bürgerliste. Diese hatte zwar im Vorfeld Florian Fringer unterstützt, dennoch zeigte sich Wilma Landmann von Rupps Sieg nicht ganz überrascht. "In der letzten Woche war sein Name immer öfter im Gespräch", gibt sie die Stimmung im Dorf wieder. "Er ist noch ein wenig schüchtern, aber kann mit der Aufgabe wachsen. Ich wünsche mir ein offenes Miteinander, und das hat er uns auch signalisiert", sagt die Gemeinderätin.

"Das ist ein großer Vertrauensbeweis", gratulierte Pfarrer Josef Moosmann dem "Bürgermeister designatus Martin Rupp". "Es ist ein Novum, dass ein auswärtiger, evangelischer Kandidat Bürgermeister von Merdingen wird, aber kein Problem im Zeichen der Ökumene", so der katholische Seelsorger. "Ich wünsche Ihnen Spaß, ein offenes Ohr und ein liebendes Herz für die Merdinger."

Auch die Guggenmusik "Vulkanspängler" spielte dem Wahlsieger ein lautstarkes Ständchen, "damit er weiß, was auf ihn zukommt: Fasnet", so Stephan Ortolf vom Gugge-Vorstand schmunzelnd. Dass Rupp mit der Fasnet nicht fremdelt, konnte er gleich beweisen, als ihm Nico Imbery gratulierte und sich als sein "Amtskollege" vorstellte, amtiert er doch bei den närrischen Zunftabenden selbst als Bürgermeister, assistiert vom "Hannes", Matthias Escher, der den neu Gewählten gleich wissen ließ: "Wenn’s Probleme gibt, wend’sch dich an uns!"

Hier und da mischten sich jedoch auch skeptische Töne ob der mangelnden Berufserfahrung des Martin Rupp in die Tischgespräche am Wahlabend. Anerkennung kommt hingegen aus dem politischen Berlin. Armin Schuster, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Weil am Rhein, kennt Rupp aus dessen Zeit als Praktikant in seinem Berliner Büro im Jahr 2012. Er habe Rupp als "unkonventionellen, lockeren Typ" kennengelernt, der sich rasch in politische Themen eingearbeitet habe. Schuster hält Rupp für sehr gut vernetzt, davon könne er in seinem Bürgermeisterjob sicher profitieren.

Autor: Julius Steckmeister und Manfred Frietsch