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28. Januar 2012

Engel gut – Alles gut!

Merdinger Landjugend schickt einen Engel auf Bewährung / Lustspiel begeistert die Zuschauer.

  1. Opa Emil (Marco Scherzinger) kann Hans, den Engel auf Bewährung (Benno Schopp) nicht sehen, Emma Maurer, seine Witwe, (Martina Ochs) hingegen sehr wohl. Foto: julius steckmeister

MERDINGEN. Spielfreudige Darsteller, perfekte Maske wie Kostüme, ein humoriges Stück und vor allem ein Publikum, das von Anfang an begeistert mit geht, das sind die Zutaten für einen gelungenen Theaterabend. Einen solchen bescherte die Landjugend Merdingen ihren Gästen mit dem Dreiakter "Ein Engel auf Bewährung". Mit vierzehntägiger Verspätung erzählten die acht Laiendarsteller die Geschichte des Hans Maurer, die mit dessen unerwartetem Tod noch lange kein Ende hat.

"Leberliverhärtung" heißt die Diagnose, die dem etwas zu lebensfrohen Hans Maurer (Benno Schopp) zum Verhängnis geworden ist. Der trinkfreudige Bauer hat nach seinem frühen Tod nur einen Berg Schulden hinterlassen, mit dem sich nun seine Witwe Emma (Marina Ochs), seine Tochter Gabi (Natali Menner), seine Mutter Mathilde (Katja Menner) und sein aufgeweckter Schwiegervater Emil (Marco Scherzinger) auf dem Hof alleingelassen sehen. Doch obwohl Witwe Emma zunächst nur Wut für ihren verstorbenen Gatten übrig hat, wird schnell klar, dass sie ihren Hans sehr vermisst. Deshalb reagiert sie auf den Heiratsantrag Willi Schmusers (Georg Schnur), des reichsten Kartoffelbauern von Gündlingen, zunächst auch mit harscher Ablehnung. Bald darauf traut Emma ihren Augen nicht. Ihr Hans steht plötzlich wieder in der guten Stube! Ein wenig angesengt ist sein weißes Engelsgewand und seine Flügel kommen auch etwas mickrig daher. Hans, der allerdings nur für Emma auch sichtbar ist, ist ein "Engel auf Bewährung". Nur wenn es ihm gelingt drei Ehen zu stiften, kann er dem Fegefeuer noch entgehen und in den Himmel aufsteigen.

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Der himmlische Heiratskuppler soll gleich drei Ehen stiften

Tochter Gabi soll mit dem lispelnden Bauernsohn Stefan Schmuser (Marc Menner) vor den Traualtar, der zwar neben Kernkompetenzen wie Häkeln und Stricken auch eine Wasch- und eine Spülmaschine anmachen kann, jedoch leider keine Frau. Oma Mathilde soll auf ihre alten Tage Opa Emil ehelichen. Dumm nur, dass Beide nicht die beste Sicht auf den Ehestand haben. Und letztlich gilt es für Hans, auch Emma zu überzeugen, doch noch ihr Herz für Kartoffeltycoon Willi Schmuser zu entdecken. Zu allem Überfluss funkt auch noch Hans´ habgierige Schwester Hilda Raffke (Sonja Stuber) dazwischen, die außerdem viel, viel zu viel über einen ominösen Lottogewinn weiß.

Unter der Regie von Tobias Landmann entfalten die acht Darsteller ein kompliziertes Handlungsgeflecht, das sich vor den Augen der höchst amüsierten Zuschauer nach und nach zum Happy End auflöst. Hierbei sorgen vor allem etliche Weisheiten wie "Migräne kommt mit der Ehe" oder auch pragmatische Umdeutungen alter Sinnsprüche von "Liebe vergeht, Reichtum besteht" hin zu "altes Geld kriegt keine Runzeln" für spontane Beifallsbekundungen. Und natürlich dürfen auch Seitenhiebe auf die Nachbarn aus Gündlingen oder Rimsingen nicht fehlen. Zum Publikumsliebling des Abends avancierte der schüchterne Handarbeitsfreund Stefan Schmuser alias Marc Menner, dessen schauspielerische Leistung umso mehr hervorzuheben ist, da er das erste Mal auf der Theaterbühne stand. Bemerkenswert auch Willi Schmuser (Georg Schnur), der sich seine Rolle als Ersatz für Sven Landmann in nur 14 Tagen angeeignet hatte.

Autor: Julius Steckmeister