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08. Februar 2016

Zwulcher feiern närrische 1001 Nacht – scharf wie Rebscherle

Bei den Merdinger Zundftabenden brillieren alte Hasen und der närrische Nachwuchs zeigt keine Angst vor dem Bühnenauftritt / Jede Menge Wortwitz.

  1. Der Burgi hat Grippe? Der Hannes weiß Rat, mit Stricknadel-Akupunktur. Begeisterung gleich zum Auftakt des Merdinger Zunftabends weckte der Tanz des Narresome. In närrischer Hochform waren auch Moderatorin Manuela Weber und Barde Mike Schäfer. Foto: manfred frietsch

  2. Foto: Manfred Frietsch

  3. Foto: Manfred Frietsch

MERDINGEN. Zwei mal fast fünf Stunden närrisches Programm, damit versorgten die Zwulcher Narrenzunft am Freitag und Samstag ihr Publikum in der Merdinger Festhalle. Zum Motto "1001 Nacht" hatten sich viele Besucher passend in Schale geworfen, so saß manche Scheherazade zwischen Scheichs und Ali Babas.

Gleich der erste Programmpunkt saß: Der Tanz des Narrensome begeisterte nicht nur die in Schnabelschuhen auflaufende Moderatorin Manuela Weber mit dem gelungenen Hüftschwung selbst der ganz Kleinen. Das stachelte auch die Zwulcher Narrenjugend an, die – sechs Hexen und drei Clowns – danach ein "Hoch auf unsere Fasnet"anstimmte. Der umgedichtete Refrain zu dieser vom WM-Jahr 2014 noch im Ohr klingenden Melodie Andreas Bourani wird kräftig mitgesungen. So schnell war noch selten ein Zunftabend auf Touren gekommen.

Vor dem Bühnenbild einer morgenländischen Stadtkulisse, eine Leihgabe der Grundschule, trat Co-Moderator Oliver Marx im weißen Kaftan als "Zwulcher Esoteriker" zum Faßgschwätz auf. Er suchte bei Ying und Yangs Hilfe, um der heimischen Kratzbürste zu entkommen und musste dabei erst einmal lernen, dass Chakra nichts zum Essen ist.

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Essen kann man hingegen Pizza, aber eine Bestellung derselben im Jahr 2050 verspricht mehr Ärger wie Genuss, wie Milena Weber und Miriam Imbery zeigten. Denn der Pizzabote der Zukunft ist dank digitaler Totalvernetzung längst informiert, dass Soja statt Fleisch für den Besteller bekömmlicher ist. Dass es darüber dem eifrig den Schnitzeln zusprechenden Publikum nicht den Appetit verschlug, dafür sorgten dann 24 junge Tanzmäuse mit einer flotten Nummer. Darauf hieß es Bühne frei für die Kalauer von Limple (Alexandra Nothstein) und Stimple (Markus Selinger). Dieser gab den Unterschied zwischen einer Frau und einer Batterie zum Besten: Letztere hat auch eine positive Seite. Als er sich als Respektsperson aufspielte, konterte Limple trocken"ja – mit der Betonung auf Spe(c)k!". Nach einem weiteren Jugendsketch über eine knifflige Rechenaufgabe wurde Milena Weber für elfjährige Zunftzugehörigkeit geehrt und das an ihrem elften Geburtstag – als echte Zwulcherin ist sie vom ersten Lebenstag an ja Zunftmitglied. Vor der Pause gab dann Mike Schäfer den Barden, unter anderen mit dem 70er-Jahre Hit "In the Jungle" als weiteres Merdinger Fasnetlied, dessen Refrain "ä wengeli" prompt kräftig mitgesungen wurde.

Als Stimmungsgarant erwies sich der Musikverein, der nicht nur zu Schunkelrunden aufspielte, sondern unter der Stabführung von Josef Maier zu jeder Bühnennummer passende Tuschs und eigens ausgesuchte Zwischenstücke servierte.

Die Rekruten ’96 servierten nach der Pause Dorftratsch. Die "siebe Wiiber un zwölf Kerle, scharf wie Rebscherle"nahmen manche Begebenheit und so manchen Ureinwohner aufs Korn. Und bei irhem Gastauftritt von Andreas Gabalier schmelzten alle Zuschauerinnen dahin.

Dann kam der schwer verschnupfte Bürgermeister (Nico Imbery) auf die Bühne, den der Hannes (Matthias Escher) auf seine Art kuriert. Dumm nur, dass der Burgi die fürs Fußbad gedachte Tablette schluckt, also hilft nur noch Kopfakupunktur. Jetzt kann der Burgi wieder klar denken, sprich über seinen Ihringer Kollegen vom Leder ziehen, der doch sogar die Internetleitung nach Merdingen kappen ließ! Kräftig auf die Mütze gab es für die lieben Nachbarn auch von den Jungs vom ASV, die sich als Meister des närrischen Floretts erwiesen – jeder Wortwitz war ein Treffer.

Dem stand ein weiteres, gut eineinhalb Generationen jüngeres Quartett aus Bauarbeitern nicht nach. In ihrer Vesperpause gaben sie geradezu dadaistisch anmutende Wortverdrehungen zum Besten, über Männer und Frauen genauso wie über Ihringer. Den furiosen Schlussakkord, nebst Zugabe in voller Länge, setzte ein orientalischer Tanz der Extraklasse, von den Turnerfrauen und Dancecult.

Autor: Manfred Frietsch