Kommentar

Merz und die Aktie – eine Diskussion von kapitaler Schlichtheit

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Mo, 03. Dezember 2018 um 22:02 Uhr

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Friedrich Merz will CDU-Chef werden und das Aktiensparen fürs Alter steuerfrei machen. Sein Vorschlag ist unausgegoren. Aber in der Sache ist es gut, über die Altersvorsorge der Deutschen zu streiten.

Friedrich Merz will, dass die Altersvorsorge per Aktie attraktiver wird. Die heftigen, überwiegend ablehnenden Reaktionen offenbaren vor allem ein ernstes politisches Problem, das der Kandidat für CDU-Vorsitz hat. Was er wirtschaftspolitisch vorschlägt, wird reflexhaft als Geschenk fürs Großkapital abgetan. Dabei lohnt es sich, über die Sache zu streiten.

Merz hat Recht, wenn er sagt: "Wir sollten die Aktienmärkte nutzen, um langfristig eine bessere Vermögens- und Kapitalbildung in den privaten Haushalten zu schaffen." Die Deutschen sind im internationalen Vergleich traditionell sehr zurückhaltend, was Investitionen an der Börse angeht. Damit sind sie weniger dem Risiko ausgesetzt, zwischenzeitlich von Kursrutschen betroffen zu sein, die es immer gab (und geben wird). Allerdings folgten auf Crashs neue Höchststände.

Das zeigt: Aktien sind für Privatleute nur langfristig als Geldanlage sinnvoll. Deshalb ist es richtig, ihren Wert als einen Teil der Altersvorsorge zu betonen. Auch zeigt die heutige Niedrigzinsphase, wie wichtig es ist, Aktien oder Aktienfonds im Anlagemix als Ausgleich zu sichereren Anlagen wie Tagesgeld zu haben. Sonst drohen reale Vermögensverluste.

Unverständlich aber ist, warum Merz einzig und allein die Aktie steuerlich besserstellen will. Das ist ordnungspolitischer Unfug. Und wieso äußert er Reformwillen nicht erst mal naheliegenderweise bei der Riester-Rente? Dieses private Vorsorgemodell ist im Kern richtig und könnte für alle Deutsche interessant sein, wäre es nicht so schlecht gemacht.

Obwohl der Staat Riester-Sparern aus dem Bundeshaushalt jährlich Zuschläge zahlt (und zwar mit jedem Kind mehr), haben leider die meisten Deutschen keine Riester-Rente, weil sie sich keine leisten können, keine leisten wollen oder warum auch immer. Hier ist der Reformbedarf groß genug.

Nun muss man Merz nicht polemisch vorwerfen, wie es manche Kommentatoren tun, er verhöhne mit seinem Vorstoß zum Aktiensparen Millionen Geringverdiener. Was man aber einfordern muss von einem Mann, der womöglich irgendwann das Land regiert, sind konkrete Vorstellungen von einer privaten Altersvorsorge, von der möglichst alle Menschen etwas haben. Wie wird Riester-Sparen attraktiver? Muss es zur Pflicht werden? Müssen staatliche Zuschüsse steigen und die Gebühren der Finanzbranche sinken?

Solange Merz der Öffentlichkeit nicht glaubhaft machen kann, dass er gerade wegen seines Engagement beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock befähigt ist, eine gute Wirtschaftspolitik für viele zu machen, wird er seine Ziele verfehlen. Im Moment meinen viele, als Mann des Großkapitals könne gar nichts anderes betreiben als eine Politik des Großkapitals.

Allerdings fällt diese Form der Kritik genauso schlicht aus wie das Altersvorsorgekonzept des Friedrich Merz.