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03. März 2009

Die Schule bleibt vorerst geschlossen

Erst nach den Osterferien kann das Gebäude wieder benutzt werden / Schüler beziehen Ausweichquartiere innerhalb Merzhausens

  1. Die Schulleitung hält die Eltern auch über das Internet auf dem Laufenden. Foto: Tanja Bury

  2. Foto: Tanja Bury

  3. Weil die Schule von der KIndern nicht betreten werden darf wurden gestern im Bürgersaal des Rathauses rund 50 Grundschüler unterrichtet. Im beschädigten Teil der Hexentalschule waren gestern Sachverständige und Brandermittler unterwegs. Foto: Tanja Bury

MERZHAUSEN. Morgen, Mittwoch, geht für die rund 250 Schüler der Hexentalschule der Unterricht weiter – allerdings nicht in ihrem Schulgebäude. Nachdem ein Teil der Schule durch ein von Jugendlichen verursachtes Feuer in der Nacht auf Samstag schwer beschädigt wurde, bleibt sie die nächsten vier bis sechs Wochen geschlossen.

Gestern waren Sachverständige der Badischen Gebäudeversicherung (BGV) und Brandermittler der Kriminalpolizei im Gebäude unterwegs. Eine Spezialfirma war zudem vor Ort, um Schadstoffmessungen vorzunehmen. Ebenfalls mit dabei waren Merzhausens Bürgermeister Eugen Isaak und sein Amtskollege aus Au, Jörg Kindel. Die Hoffnung, die unbeschädigten Teile des Schulgebäudes bereits am Mittwoch wieder für den Unterricht nutzen zu können, hat sich zerschlagen. Grund dafür ist eine Schmierschicht aus verbranntem Plastik, die sich über das Innere des ganzen Schulhauses gelegt hat und aufwendig beseitigt werden muss – und so lange bleibt die Schule geschlossen. "Wir wollen um Himmels willen kein Risiko eingehen", so Bürgermeister Isaak. Sicher sei, dass die unbeschädigten Teile des Gebäudes nach den Osterferien wieder für den Schulbetrieb zur Verfügung stehen.

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Günter Fröhlich, Leiter der BGV-Schadensabteilung, bezifferte den entstandenen Schaden gegenüber der BZ auf zwei Millionen Euro. Bürgermeister Eugen Isaak konnte diese Summe jedoch nicht bestätigen. "Die Versicherung wird den Schaden komplett übernehmen und sich das Geld bei den Brandverursachern wiederholen", so Isaak. Wie der beschädigte Gebäudeteil wiederaufgebaut werden soll, stehe noch nicht fest. "Das werden wir mit Experten und Architekten bereden. Das Hausmeisterzimmer beispielsweise könnte architektonisch anders gestalten werden", sagte der Rathauschef.

Bis die Schule wieder öffnen kann, findet der Unterricht in Ausweichquartieren statt. Die Hauptschule mit 93 Schülern zieht ins Haus der Vereine. Schachclub, Männergesangverein, Musikverein, Chorioso und der Jugendförderverein stellen ihre Räume dort zur Verfügung. Gestern Nachmittag fand bei Bürgermeister Isaak eine Besprechung mit den Vereinsvertretern statt. Die Klassen 1 und 2 werden im katholischen Pfarrzentrum untergebracht, die Klassen 3 und 4 – insgesamt sind es 160 Grundschüler – beziehen Räume im evangelischen Gemeindezentrum.

Gestern lief die Planung für die Verteilung der Schüler auf Hochtouren. In den Gemeindezentren sind genug Tische und Stühle vorhanden, falls im Haus der Vereine etwas fehlen sollte, so Isaak, werde die Gemeinde es aus ihrem Fundus zur Verfügung stellen. Die Neuntklässler müssten sich wegen ihrer Projektprüfung keine Sorgen machen, sagte Rektorin Brigitte Preugschat: "Es werden PCs zur Verfügung stehen und die Prüfungsvorbereitungen nicht gestört. Wir werden unsere Abschlussklassen gut versorgen." Ganz wichtig ist für sie, dass der Unterricht nach Stundenplan weiterlaufen kann – "wenn auch mit einigen Einschränkungen, was die Materialen und den Fachunterricht betrifft". Froh ist sie auch darüber, dass in Merzhausen Ersatzräume für die Schule gefunden wurden und die Schüler die Gemeinde nicht verlassen müssen. Sowohl Schallstadts Bürgermeister Jörg Czybulka als auch sein Amtskollege Thomas Breig aus Ehrenkirchen hatten angeboten, die Schüler in ihren Hauptschulen aufzunehmen. Magdalena Fromm, Rektorin der Johann-Philipp-Glock-Schule in Schallstadt, war sogar am Samstag nach Merzhausen gekommen, um das Angebot persönlich zu unterbreiten. "Für die angebotene Hilfe sind wir sehr dankbar", sagt Bürgermeister Eugen Isaak. Doch sei eine Lösung innerhalb der Gemeinde die einfachere und bessere. Nicht nur Raumangebote hat der Rathauschef schon bekommen: "Es wurden mir aus Freiburg auch schon Computer angeboten." Allerdings seien diese acht Jahre alt und damit überholt.

Etwa 50 Kinder wurden gestern trotz geschlossener Schule innerhalb der verlässlichen Grundschule betreut. In zwei Großgruppen fand im Bürgersaal Unterricht statt. Die vierten Klassen waren zum Fahrradtraining im Freiburger Möslepark.

Betroffen von dem Brand sind auch die Hexentäler Dorfspatzen. Nachdem die alte Schule abgerissen worden war, bezogen sie ihr Domizil in zwei Räumen im Untergeschoss der Schule. Ein Raum diente als Lager für Dekorationen und Bastelmaterialien, die auch für den Seniorennachmittag gebraucht wurden, in einem anderen fanden die Versammlungen der Gruppe statt. Jetzt ist durch die Löscharbeiten Wasser in den Keller geflossen, Hannelore Vonderstraß, Leiterin der Gruppe, fürchtet, "alles wird kaputt sein". Erfahrungen mit Wasserschäden haben die Dorfspatzen. "In der Schule sind wir wegen des Hochwassers dreimal abgesoffen" und jetzt ist es das Löschwasser. Am Samstag sollte eigentlich im Versammlungsraum der Dorfspatzen ein 70. Geburtstag gefeiert werden. "Die Tische waren mit weißen Decken gedeckt und mit Blumengestecken geschmückt", sagt Vonderstraß. Die Jubilarin musste woanders feiern, die Geburtstagsfeier in der Schule fiel buchstäblich ins Wasser.

Mehr zum Brand in Merzhausen unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Tanja Bury